Kunst & Kultur

Bachs komplettes Weihnachtsoratorium – einmalig

Michael Graf Münster trotzt mit dem Ensemble der Kälte. Unterstützt werden sie sowohl stimmlich als auch instrumental von einer Reihe an prominenten Musiker:innen.

Michael Graf Münster  |  Foto: Rolf Oeser
Michael Graf Münster | Foto: Rolf Oeser

Das gab es noch nie: das komplette Weihnachtsoratorium in Sankt Katharinen. Am vierten Advent stehen alle sechs Teile auf dem Programm. Der Kantor der Kirche an der Frankfurter Hauptwache, Michael Graf Münster, freut sich, dass es möglich ist, am Sonntag, 18. Dezember 2022, in zwei Abschnitten das Großwerk Bachs aufzuführen, nachmittags um 16 Uhr die ersten drei Teile, um 19 Uhr folgen vier bis sechs, „das ist schon etwas Besonderes“.

In mehrfacher Hinsicht. Vor zwei Jahren fiel pandemiebedingt die traditionelle Aufführung von jeweils vier Kantaten des Weihnachtsoratoriums in Sankt Katharinen aus. Im vergangenen Jahr boten die Kantorei St. Katharinen, Solisten und das Bach-Collegium Frankfurt die Kantaten eins bis vier dar.

Und nun das gesamte Werk! Stars, wie der Bariton Johannes Martin Kränzle, bis 2016 Ensemblemitglied der Frankfurter Oper, in Bayreuth, an der Berliner Lindenoper, an der Scala oder der New Yorker Met bejubelt, sind dabei, die Altistin Katharina Magiera, Ensemble-Mitglied der Frankfurter Oper und auf internationalen Bühnen zu finden, wirkt ebenso mit. Der international auftretende Tenor Daniel Sans singt den Evangelisten und die renommierte Sopranistin Mechthild Bach ist gleichfalls zu erleben, außerdem der Solo-Oboist Gonzalo Ruiz ist Professor an der Juillard School in New York, Ingo de Haas ist Konzertmeister der Oper Frankfurt, der Solo-Cellist Rainer Zipperling eine europäische Autorität, gleichfalls die Solotrompeterin Laura Vukobratovic und der erste Hornist Wilhelm Bruns.

Bei aller Freude verhehlt Graf Münster, der sich Ende März mit einem Mozartkonzert in den Ruhestand verabschiedet, die Schwierigkeiten der Aufführung nicht. Im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach sind die Kirchen in diesem Winter in der Regel weitgehend ungeheizt, so auch Sankt Katharinen. Statt in der Kirche, werden Chor und Orchester im Gemeindesaal proben. Das ist eine Herausforderung. Genauso wie die Aufführungen bei kühlen Temperaturen.

Graf Münster weist auch auf die Schwierigkeiten der Instrumentalisten hin: Etwa wenn ein Oboist zwischen verschiedenen Varianten seines Instruments wechselt und das jeweils nicht gespielte Instrument auf dem kalten Boden abstellen muss. „Dirigieren kann man auch mit zwei Anoraks übereinander“, sagt der Dirigent Graf Münster, Holz nehme Klimaschwankungen ohne Vorsichtsmaßnahmen übel. Michael Graf Münster ist voller Respekt für alle, die das Vorhaben gesanglich und instrumental stemmen.

Offenkundig ist die Aufführung des Weihnachtsoratoriums am vierten Advent in Sankt Katharinen nachgefragt, die Tickets für 16 Uhr sind bereits ausverkauft, für 19 Uhr gibt es noch Karten.


Autorin

Bettina Behler 229 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach