Kunst & Kultur

Das Erntedankfest ist typisch deutsch

Das Erntedankfest ist vor allem in deutschsprachigen Ländern beliebt. Anders als der Weihnachtsbaum ist es kein Exportschlager für die internationale Christenheit.

Dank für die Ernte. |Foto: Alfred Schrock via Unsplash
Dank für die Ernte. |Foto: Alfred Schrock via Unsplash

Der festlich geschmückte Altar. Die Farben des Herbstes. „Unser täglich Brot gib uns heute.“ Das Erntedankfest. In der Regel am ersten Sonntag im Oktober erinnern Gottesdienste an den engen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur. Christinnen und Christen danken Gott für die eingebrachte Ernte. Feldfrüchte, Getreide, Baumobst und Blumen schaffen vielerorts ein herrliches Bild, in welches der Altar eingetaucht ist. Das Erntedankfest hat hierzulande eine lange Tradition.

Da überrascht es, dass Erntedank in anderen christlichen Ländern wenig Beachtung findet. Abgesehen natürlich von Thanksgiving in Nordamerika. Das Fest kennen alle, es erinnert an das erste Erntedankfest der Pilgerväter auf amerikanischem Boden. Von seinen christlichen Wurzeln hat sich Thanksgiving allerdings längst entfernt. Es ist ein staatlicher Feiertag und wird als soziales Familienfest von allen begangen, auch von Atheistinnen.

Schon in Frankreich, einem Land vieler Landwirte, gilt aber: Fehlanzeige. Christine Rocl etwa schüttelt den Kopf: „Non. Wir feiern das nicht“, sagt sie. „Ich kenne Erntedank erst, seit ich in Deutschland lebe. Es gibt in Frankreich Volksfeste oder kleine Dorffeste, nach der Weinernte zum Beispiel. Wir verbinden das aber nicht mit der Kirche.“

Janina Barrantes aus Peru beschreibt es ähnlich: „Wir feiern zur Weinernte. Das Fest hat allerdings keinen Bezug zur Kirche.“ Barrantes lebt in Offenbach und ist Erzieherin in einer evangelischen Kindertageseinrichtung. Erst dort hat sie Erntedank kennengelernt. So ging es auch Diana Marcela Barreto Páez aus Kolumbien: „Erntedank? Nicht, dass ich wüsste. Auch aus Argentinien kenne ich das nicht. Wir feiern gerne und alles Mögliche. Aber nicht Erntedank.“

Im Christentum ist das Fest seit dem dritten Jahrhundert belegt, allerdings gab es nie einen einheitlichen Termin, weil ja auch die Ernte je nach Klimazone nicht immer zur selben Zeit eingebracht wird. In vielen Regionen der Welt wird es gar nicht begangen.

Dafür gibt es durchaus in anderen Religionen Feste, die mit der Ernte in Verbindung gesetzt werden, wie zum Beispiel das jüdische Laubhüttenfest. Es soll allerdings in erster Linie an die Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnern.

In Japan werden zur Kirschblüte im Frühling und zur Reisernte im Herbst große Volksfeste gefeiert, die Matsuri, die auf den Buddhismus zurückkgehen. Man kann sie inzwischen sogar in Frankfurt erleben, erzählt Kaneko Sunagawa aus Offenbach: „Seit zwei, drei Jahren wird das Fest am Mainufer gefeiert, mit Musik und Reiswein.“

In Südasien pflegt die tamilische Bevölkerung die Tradition des Pongal. Altes wird symbolisch für den Neuanfang verbrannt. Man bereitet Essen ausschließlich mit Zutaten der neuen Ernte zu, beschenkt Nachbarn, besucht die Familie und dankt den Kühen.

Weltweit wird also in vielen unterschiedlichen Facetten der Lebensmittel gedacht, die auf unseren Tellern landen. Ob mit oder ohne religiösen Bezug: Ein gewisses Bewusstsein für die Bedeutung des Dankes für die Ernte ist da.


Autorin

Angela Wolf 44 Artikel

Angela Wolf ist Mitglied der Redaktion von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse in Frankfurt am Main, arbeitet als freie Autorin und ist ehrenamtlich aktiv.

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