Kunst & Kultur

Die Orgel des Monats im September: die Neue Thomas-Orgel in Heddernheim

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Umfassend restauriert und ergänzt, ermöglicht das in den Nachkriegsjahren von Helmut Walcha konzipierte Instrument der Sankt Thomaskirche, das in die Jahre gekommen war, neben klangvollen Interpretationen von Historischem auch vieles an Improvisationen.

Hightech und Orgelpfeifen vereint: hier der neue Spieltisch in Sankt Thomas I Foto: Angelika Hoßfeld
Hightech und Orgelpfeifen vereint: hier der neue Spieltisch in Sankt Thomas I Foto: Angelika Hoßfeld

Nun ist es soweit: Mit einer Festwoche begeht die Frankfurter Nordwest-Gemeinde vom 10. September an die Einweihung der „Neuen Thomasorgel“. „Ein mutiges, innovatives und mit viel Phantasie entwickeltes Projekt findet seien vorläufigen Abschluss. Entstanden ist ein Instrument, das seinesgleichen sucht“, so Propsteikantor Stefan Küchler.

1952, bereits kurz nach dem Krieg, hatte die Evangelische Sankt Thomasgemeinde, heute zur Kirchengemeinde Frankfurt-Nordwest gehörend, in ihrer wiederaufgebauten Kirche einen Orgelneubau fertiggestellt. Konzipiert wurde das Instrument damals von Helmut Walcha, der in Sankt Thomas als Organist wirkte. Nach seinen Plänen entstand ein Instrument auf der Höhe der Zeit, mit Klangfarben, die von der Orgelbewegung geprägt waren. Helle, klare Töne, reizvolle Flöten und interessante Quintaden füllten den Raum.

Im Laufe der Zeit war die Orgel allerdings in die Jahre gekommen, Schmutz und Schäden trübten den klanglichen Eindruck. Darüber hinaus ließ das Instrument Klangfarben und Spielhilfen vermissen, die die Interpretation von Orgelmusik unterschiedlichster Stilrichtungen ermöglichen. Fragen nach Neubau, Rekonstruktion, Erweiterung, finanziellen und baulichen Voraussetzungen standen im Raum.

Nicht zuletzt dank intensiver Spendenakquise vieler Engagierter für die Kirchenmusik an Sankt Thomas, wurde nun die Orgel aus dem Jahr 1952 instandgesetzt und mit ihrem Pfeifenmaterial erhalten, sodass das klangliche Konzept von damals heute wieder erlebt werden kann. Gleichzeitig kam ein Schwellwerk hinzu, das mit den darin neu enthaltenen Registern die Möglichkeit bietet, romantische und moderne Orgelliteratur angemessen zu spielen. Technisch wurde von der Orgelbaufirma Förster & Nicolaus, die die Sanierung ausführte, zudem das Konzept der elektronischen Einzeltonansteuerung eingesetzt – eine besondere Innovation, mit der sich im Prinzip jede Pfeife von jeder Taste aus ansteuern lässt. Der Einbau eines Windschwellers ermöglicht wiederum ganz andere, neue Hörerfahrungen. Mit diesem System lässt sich der Winddruck verändern. Damit ergeben sich neue, ungewohnte Spaltklänge, die in neuer Orgelmusik Verwendung finden, aber auch interessante Improvisationsmöglichkeiten eröffnen.

So bietet die Neue Thomasorgel vielfältige musikalische Möglichkeiten. Ob als Konzertinstrument, das die Darstellung einer Vielzahl von Stilen ermöglicht, ob als wichtiges Element in der Liturgie, ob als Partner in kammermusikalischen Besetzungen oder zur Begleitung unterschiedlichster Vokalgruppen in verschiedenen Besetzungsgrößen, das Instrument wird seinen vielfältigen Aufgaben gerecht werden.

Auch an die nächste Generation wurde gedacht: Am ersten ergonomischen Spieltisch Frankfurts lassen sich Manualklaviaturen in Höhe und Tiefe an den Spieler, die Spielerin anpassen und erleichtern so auch sehr jungen Schülerinnen und Schülern den Einstieg. Dieses Orgelprojekt ist außergewöhnlich und beispielhaft für modernen Orgelbau. Altes, Vertrautes wird erhalten und durch Erweiterung und phantasievolle Nutzung moderner technischer Möglichkeiten zukunftsfähig gemacht. Die Neue Thomasorgel wird mit Sicherheit einen ganz besonderen Platz in der Frankfurter Orgellandschaft einnehmen.


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