Kunst & Kultur

Film des Jahres: Gespräch mit der Regisseurin Eliza Hittman

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Die Jury der Evangelischen Filmarbeit hat den Spielfilm „Niemals Selten Manchmal Immer“ von Eliza Hittman als „Film des Jahres 2020“ ausgezeichnet. Er erzählt von einer jungen Frau in einer US-amerikanischen Kleinstadt, die ungewollt schwanger wird und die Schwangerschaft abbrechen lassen will. Da in diesem Jahr keine Preisverleihung im Kino möglich ist, sprach die Juryvorsitzende Margrit Fröhlich via Internet mit der Regisseurin.

Autumn (Sidney Flanigan, links) und ihre Cousine Skylar (Talia Ryder, rechts) versuchen in New York City, eine Abtreibung für Autumn zu bekommen.
Autumn (Sidney Flanigan, links) und ihre Cousine Skylar (Talia Ryder, rechts) versuchen in New York City, eine Abtreibung für Autumn zu bekommen.

Schwanger, mit 17, ohne feste Beziehung – Autumn weiß genau, dass sie jetzt, in dieser Situation, kein Kind bekommen möchte. Zuhause lebt sie in bedrückenden Familienverhältnissen, ihr Job an der Supermarktkasse bietet kaum Chancen. Also sucht sie nach Möglichkeiten einer Abtreibung, was aber im ländlichen Pennsylvania gar nicht so einfach ist. Hilfe findet sie nur im Internet und bei ihrer Cousine Skylar, die sie nach New York City begleitet.

Die Regisseurin Eliza Hittman zeigt die beiden jungen Frauen auf einer trostlosen Odyssee durch New Yorker Busbahnhöfe, Bars, Hamburgerläden und Warteräume –  in empathischen Großaufnahmen, die jede Gefühlsregung registrieren, Enttäuschung, Angst, Entschlossenheit. „In extremer Verdichtung und mit größter Umsicht wird ein Thema behandelt, das auch nach mehr als hundertjährigem Kampf um Geburtenkontrolle ein Minengelände ist" heißt es in der Begründung der Evangelischen Filmjury für die Auswahl. „Es sind dieser umfassende Blick und die subtile Erzählweise, die aus ‚Niemals Selten Manchmal Immer‘ mehr als einen politischen Film machen: Sie machen ihn zu einem großen Film.“

Hittman erzählt ihre Geschichte fast dokumentarisch, weder zeigt sie ihre Protagonistin als Opfer, noch verschweigt sie die desaströsen Umstände, denen Jugendliche wie Autumn ausgesetzt sind. Es sind diese Verhältnisse, die der zunächst merkwürdig anmutende Titel anspricht: „Niemals Selten Manchmal Immer“ lauten die vier Antwortmöglichkeiten eines Fragebogens, den Autumn vor dem Eingriff bei einer Sozialarbeiterin zu ihren Lebensumständen beantworten muss: Wie oft werden Sie geschlagen? Wie oft erleben Sie sexuelle Gewalt? Niemals? Selten? Manchmal? Immer?

Die Preisverleihung zum Film des Jahres der findet normalerweise im Kino des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt statt, doch dieses Jahr muss die Feier ausfallen. Stattdessen führte die Vorsitzende der Jury, Margrit Frölich, ein Interview mit Eliza Hittman, in dem die Regisseurin über ihre Motivation und die Realisierung des Films Auskunft gibt.

Hier der Link zu dem halbstündigen Interview


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