Kunst & Kultur

EVAs Frauenorchester: „Keine Angst vor falschen Tönen“

Seit sieben Jahren spielt „EVAs Frauenorchester“ in wechselnden Besetzungen, mit ungewöhnlichen Instrumenten und einem ebensolchen Repertoire. Hier geht es nicht um Leistung und Perfektion, sondern um den Spaß am gemeinsamen Musizieren. Schön Klingen soll es am Ende trotzdem.

Jede Frau kann mitmachen, egal welches Instrument sie spielt und wie gut ihr Stand ist. Bei EVAs Frauenorchester richten sich das Repertoire nach den Musikerinnen. |Foto: Rolf Oeser
Jede Frau kann mitmachen, egal welches Instrument sie spielt und wie gut ihr Stand ist. Bei EVAs Frauenorchester richten sich das Repertoire nach den Musikerinnen. |Foto: Rolf Oeser

Mechthild Nauck ist Politologin und seit vielen Jahren Bildungsreferentin am „EVA“, dem Evangelischen Frauenbegegnungszentrum in der Saalgasse, gleich neben dem Römerberg. Als Jugendliche hatte sie das letzte Mal Cello gespielt. Und plötzlich wieder Lust, damit anzufangen. Aber nicht alleine nur für sich, sondern zusammen mit anderen.

Ursula Mühlberger, Musikpädagogin und nach eigener Aussage „immer offen für etwas Neues“ hatte schon Chöre geleitet, aber noch nie ein Orchester. Sie war aber gleich begeistert von der Idee: Ein Orchester aufzubauen, bei dem es nicht um Leistung und Perfektion geht, sondern um den gemeinsamen Spaß.

„Wir haben von Anfang an gesagt, jede Frau kann mitmachen, egal mit welchem Instrument und welchem Kenntnisstand“, erklärt Ursula Mühlberger. Neben Naucks Chello kamen zu Beginn eine Triangel, ein Akkordeon, eine Querflöte und eine Gitarre zusammen – nicht gerade eine typische Orchesterbesetzung. „Ich habe einfach angefangen, Stücke anzupassen und umzusetzen“, erinnert sich die Musikerin.

Zu Hochzeiten hatte das Orchester beinahe 30 Mitglieder, derzeit sind es ein gutes Dutzend. Akkordeon, Cello und Querflöte sind immer noch dabei, „die Gitarre ist leider gestorben“, bedauert Ursula Mühlberger. Das Repertoire ist bewusst breit aufgestellt: Gespielt wird Bach oder Edward Elgar, latein-amerikanische Musik, Folkloristisches und Jazz.

Die jüngste Musikerin ist 30 Jahre alt, die Älteste über 80. Die einen spielen ihr Instrument schon lange, andere haben erst vor kurzem damit begonnen. „Ich wollte Klarinette spielen lernen und war froh, hier gleich mitmachen zu dürfen“, sagt Renate Ehlers, Journalistin und Kirchentagsorganisatorin, die vor zwei Jahren ihr Instrument zu spielen begann und seither im Frauenorchester ist. „Es macht einfach Freude, obwohl ich immer noch Anfängerin bin.“

Marianne Karpf, früher Pressedokumentarin, hatte mit ihrer Blockflöte immer nur Hausmusik im Duo gemacht. „Es ist schön, hier in der Gruppe zu musizieren“, sagt sie, „die Proben lasse ich nur aus, wenn ich krank bin.“ Auch Britta Moritz, von Beruf Lehrerin, spielt Blockflöte. Sie liebt das breite Repertoire im Frauenorchester: „Blockflötenensembles spielen entweder nur Barockmusik oder ganz moderne Stücke. Hier ist das anders.“ Sozialarbeiterin Lisa Roether, Violonistin, nickt: „Ich komme aus der klassischen Geigenschule – da hätte ich niemals latein-amerikanische Musik gespielt!“

Fast alle nehmen privat wieder oder weiterhin Instrumentalunterricht und wollen sich unbedingt verbessern. Trotzdem sind sie sich einig, dass das gemeinsame Musizieren vor allem Freude macht und stressfrei sein soll. „Keine Angst vor falschen Tönen, hat das mal jemand genannt“, sagt Lisa Roether.

Das trifft auch die Stimmung in der Probe: Hartnäckig, aber mit großer Geduld, mal mit einem Seufzer, mal mit einem fröhlichen Lachen lässt Ursula Mühlberger Einsätze und Intonation wiederholen. Auch untereinander geben sich die Frauen Tipps, hier und da werden Notizen gemacht. „Am Ende soll es schon schön klingen“, fordert Mühlberger. Und die Musikerinnen sehen das genauso.

Denn EVAs Frauenorchester, wie die Gruppe sich nennt, tritt auch auf: in Gottesdiensten, bei kleinen Feiern, in Flüchtlingseinrichtungen. Der nächste Auftritt ist am 17. November bei einer Filmmatinee zum Thema „Einsamkeit“ im Rahmen der Interkulturellen Wochen.

Für Mechthild Nauck als Bildungsreferentin hat das gemeinsame Musizieren bei allem Spaß noch eine weitere Bedeutung: Gemeinsames Musizieren sei „einfach eine andere Art der Kommunikation“, sagt sie. Auch im Orchester müsse man einander gut zuhören, aufeinander achten. „Das ist auch eine Form von Empowerment, von Ermächtigung. Es hilft, sich etwas Neues zu trauen, die eigenen Grenzen zu überwinden“, sagt Nauck. Ursula Mühlberger stimmt zu: „Das Besondere an unserem Orchester ist, das jedes Instrument, jede Stimme ihren eigenen Raum erhält. Und trotzdem alle zusammen spielen.“ Manchmal entwickelt sich daraus bei den Proben auch etwas ganz eigenes, ganz Neues.

Interessierte Frauen können einen Probetermin zum Kennenlernen vereinbaren, Kontakt über Ursula Mühlberger, Telefon 069 9207080 oder www.eva-frauenzentrum.de.


Autorin

Stefanie von Stechow ist Mutter von vier Kindern und freie Journalistin. Sie schreibt über Themen aus Familie, Bildung und Gesellschaft.

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