Kunst & Kultur

Jubiläum: 500. Konzert auf dem Uni-Campus Bockenheim

In der „Kirche am Campus“ fand im Januar das 500. Konzert statt. Die vor über 20 Jahren gegründete Reihe bietet jeden Donnerstag im Semester jungen Musikerinnen und Musikern eine Auftrittsmöglichkeit – und dem Publikum hochkarätige Konzerte bei freiem Eintritt.

Der Pianist Aristototelis Papadimitriou spielt Chopin beim 500. Konzert in der Kirche am Campus. | Foto: Rolf Oeser
Der Pianist Aristototelis Papadimitriou spielt Chopin beim 500. Konzert in der Kirche am Campus. | Foto: Rolf Oeser

Das spektakulärste Stück des Abends war gleichzeitig eine konzertante Rarität: Paul Torteliers (1914-1990) Sonata Breve „Bucéphale“, gewidmet dem Pferd von Alexander dem Großen. Interpretiert von Michael Polyzoides (Cello) und James Guey (Klavier), wartete das Werk des Tondichters, der die Cello-Spieltechnik erneuert hat, mit überraschenden Skalen, abenteuerlichen Intervallen und virtuosen Läufen auf.

Quasi ein Antipod anschließend Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“, eine meditative Klangoase, die durch Sinnlichkeit und simple Melodik große Effekte erreichte. Damit war das 500. Konzert der Reihe „Kirche am Campus Bockenheim“ in der Pause angekommen. Die vor mehr als 20 Jahren von Pfarrer und Liedtexter Eugen Eckert gegründete und heute von Sabine Rupp in der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Frankfurt verantwortete Veranstaltungsreihe dürfte mithin im Frankfurter Konzertbetrieb einen Rekord aufgestellt haben.

Ausschließlich Studierende und Lehrende der Frankfurter Musikhochschule (HfMDK) treten in dem nur 80 Besucherinnen und Besucher fassenden Sakralraum regelmäßig mit gemischten Programmen auf.

Schwerpunkt des ersten Teils beim Jubiläumskonzert war Chopin. Einen romantischen Walzer und eine Nocturne spielte Aristotelis Papadimitriou mit ausgefeilter Anschlagskultur am Flügel während sich Mikhail Ashkinazi die berühmte Revolutionsetüde ausgesucht hatte und das rasant voranschreitende kurze Stück mit feinen Nuancen in der rhythmischen Grundierung ausgestaltete. Zwischen diesen Stücken konnte Anna Tyshayeva ihre Tastenkunst eindrucksvoll unter Beweis stellen. Nach einer humorigen Anmoderation, welche die falsche Einstellung des Klavierhockers auf die Schippe nahm, erklang mit sensibler Motorik Carl Czernys (1791-1857) und im Tempo sehr schnell geformte Etüde, danach Prädudium und Fuge des Barockmeisters Bach und eine hauchzart interpretierte Romanze von Robert Schumann. Große Begeisterung für alle Ausführenden an einem gelungenen Jubiläumskonzert, das wie alle anderen bei freiem Eintritt angeboten wird.

Nach der Pause schließlich ein Werk für Harfe solo. Die zeitgenössische amerikanische Komponistin Deborah Henson-Conant, bewies, dass man auf dem Orchesterinstrument auch virtuos einen „Baroque Flamenco“ spielen kann, was Samira Memarzaqdeh mit Anmut und spieltechnischer Raffinesse umsetzte. Weihnachtliche Impressionen vermittelte dann George Winstons „Carole of Bells“, das Mikhail Ashkinazi zu einem zweiten meisterlichen Auftritt mit Kirchenglocken gewimmeten Klavierakkorden nutzte. Daniel Cifuentes (Violine), wiederum Samira Memarzadeh (Harfe) und Andrés Rosales (Gitarre) bilden das Trio Resonancia und begeisterten mit verschiedenen Stücken lateinamerikanischer Komponisten.

Weiter geht die Reihe mit „Sommerkonzerten“ am 30. April, wenn sich die Harfenklasse vorstellt. Allein im Mai finden drei Konzerte statt. Am 7. und 14. des Monats werden Blockflötenconsort und Gitarrenensemble der Hochschule auftreten. Der Inhalt des Recitals am 28. Mai wird noch bekannt gegeben. Gleich vier Konzerte bietet der Juni. Jeweils am 4., 11., 18. und 25. erklingen Klavierwerke, zum Teil in Kombination mit Violine und Cello, zwei Solopianisten erfreuen das Publikum am 2. Juli, während das Finale am 9. Juli mit Barockmusik für Blockflöten und Theorbe aufwartet. Man darf gespannt sein.

Kirche am Campus Bockenheim, Jügelstraße 1, Konzerte an jedem Donnerstag im Semester, Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei. Mehr Informationen hier.


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