Kunst & Kultur

Musik vor Ort und in besonderem Licht

Im Mai, inmitten der Coronakrise, hat Michael Graf Münster in der evangelischen Sankt Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache eine hochklassige Konzertreihe mit Illuminiation aufgelegt. Nun ist Halbzeit: Das Aris-Quartett beschließt die erste Abfolge von „Bach zur Nacht".

Ein Höhepunkt des Programms in Sankt Katharinen, der Auftritt des Aris-Quartetts I Foto: © Simona Bednarek
Ein Höhepunkt des Programms in Sankt Katharinen, der Auftritt des Aris-Quartetts I Foto: © Simona Bednarek

Ende Februar erreichte das Aris-Quartett noch eine frohe Botschaft aus London, der mit 30.000 Pfund dotierte Borletti-Buitoni Trust Award 2020 wurde dem Frankfurter Streichquartett zugesprochen. Dann war Schluss. Lockdown. Eine äußerst ungewohnte Situation: Die vier an der hiesigen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Ausgebildeten hatten von Anbeginn einen kometenhaften Aufstieg erlebt: Den Kammermusikpreis der Jürgen-Ponto Stiftung sowie gleich fünf weitere Preise erhielten sie beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD, in berühmten Konzertsälen wie der Elbphilharmonie Hamburg, Wigmore Hall London, Philharmonie Paris, Musikverein Wien und Concertgebouw Amsterdam hat sich das Quartett seit seiner Gründung vor elf Jahren präsentiert.

„Normalerweise würden sie nie bei uns spielen“, sagt Michael Graf Münster, Intendant der Reihe „Bach zur Nacht“ in der evangelischen Sankt Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache. Jetzt freut er sich, die vier Hochkaräter gleich für zwei Konzerte begrüßen zu können: Diesen Samstag, 1. August, spielt das Aris-Quartett von Johann Sebastian Bach den Contrapunctus I aus der Kunst der Fuge, anschließend wird von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) das Streichquartett a-moll opus 13 erklingen. Die Woche darauf, am Samstag, 8. August, gastieren die Vier mit Contrapunctus II aus der Kunst der Fuge von Bach, dem wird Dmitri Shostakovichs (1906-1975) Streichquartett Nr. 8 c-moll op. 110 „Im Gedenken an die Opfer des Faschismus und des Krieges“ gegenübergestellt.

Genauer gesagt tritt das Aris-Quartett vier Mal auf. „Bach zur Nacht“, in der Corona-Krise im Mai 2020 aus der Taufe gehoben, bedeutet: Um 19.30 und noch einmal um 21.30 Uhr wird eine halbe Stunde Musik geboten. „Die Kirche wird zu einer Schale für den Klang“, so beschreibt Michael Graf Münster die Raumwirkung der Illumination von Parviz Mir-Ali und Andreas Schwarz. Jeweils 130 Personen haben an den Samstagabenden Gelegenheit, das Konzertprogramm zu genießen.

Die Konzerte von „Bach zur Nacht“ kreisen um Musik Bachs in originaler Form, aber auch als Transkriptionen (Gitarre statt Laute) tauchen seine Werke auf und in Verbindung zu Stücken anderer Komponisten, die sich auf Bach beziehen. Von Vorläufern bis hin zu Jazz und experimenteller Musik reicht das Spektrum der auf 16 Konzerte angewachsenen Reihe.

Mit den Konzertabenden des Aris Quartetts Anfang August endet die erste Hälfte der Serie, der zweite Teil beginnt am 29. August 2020 mit einem Jazz-Highlight: Christof Lauer, Saxophon, lange Jahre Solist der NDR Bigband, mit anderen Jazz-Größen wie Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer und Michel Godard war er unterwegs, der Hessische Jazzpreis und ein ECHO stehen in seinem Regal, wird an dem Abend in der Sankt Katharinenkirche improvisieren – zusammen mit einem Vokal-Quartett, das Bach-Choräle vorträgt. „Das sind Mitglieder von Concerto Vocale Frankfurt“, dem Solovokalensemble an Sankt Katharinen, berichtet Graf Münster.

Dass die Frankfurter Innenstadtkirche als Ort hochklassiger Musik bekannt sei, habe Ensembles wie das Aris-Quartett und auch Lauer motiviert, mitzuwirken. Und die hervorragende Akustik. Beim Auftakt im Mai spielte Christopher Brandt in der Sankt Katharinenkirche Gitarre. „Und sie konnten bis zur letzten Reihe jedes Sechzehntel hören“, berichtet Graf Münster. Auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde können Impressionen abgerufen werden.

„Streamen kann live nicht ersetzen“ – in der Coronakrise werde deutlich, welche Kulturorte die Kirche mit ihren Gotteshäusern biete, betont Michael Graf Münster. Er definiert Musik in Kirchen als Gelegenheiten für Menschen, sich als Resonanzwesen zu erleben, womöglich mit religiösen Schwingungen.

Das gesamte Programm von „Bach zur Nacht" hier.


Autorin

Bettina Behler 109 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach