Kunst & Kultur

Wenn statt der Orgel die Musikauswahl von Moses Pelham erklingt

Prominenter Gast beim Vinylgottesdienst in der Bornheimer Johanniskirche: Moses Pelham. Zusammen mit DJ Matthias Westerweller und Pfarrer Lars Heinemann sorgte der Musikproduzent und Musiker in dem barocken Gotteshaus für besondere Töne, aber auch Emotionen .

v.li: Pfarrer Lars Heinemann, DJ Matthias Westerweller und der Produzent und Musiker Moses Pelham  I Foto: Friedrich Horn
v.li: Pfarrer Lars Heinemann, DJ Matthias Westerweller und der Produzent und Musiker Moses Pelham I Foto: Friedrich Horn

Es handelt sich um einen Gottesdienst – mit Votum, mit Fürbitten, mit Segen – und doch ist es ein ganz anderer Abend, eine ganz andere Feier, der Vinylgottesdienst in der evangelischen Johanniskirche in Frankfurt-Bornheim. Die Tür steht offen, Sommerhitze dringt herein, Ringelshirts, Tattoos, Fächer, eine stehend Stillende, eine Frau, grauhaarig-gelockt, im Rollstuhl sitzend, befinden sich im näheren Umfeld, im weiteren Umfeld stehen, sitzen viele Menschen, bei Wein, bei Wasser, bei Bier. 250, 300 werden es sein.

Vorne, vor dem Altar, hat der Rapper und Musikproduzent Moses Pelham, auf einem Polstermöbel Platz genommen. Der vielfach mit Platin Ausgezeichnete, der mit der Goetheplakette Geehrte ist an diesem Abend für die Musikauswahl zuständig – das Stichwort lautet „Trost“. DJ Matthias Westerweller moderiert, Pfarrer Lars Heinemann übernimmt den liturgischen Anteil.

Der Theologe steuert, schwarzes Sakko, hochgekrempelte Ärmel, weißes Shirt, einen Impuls zum Thema des Abends bei. „Trost“ verknüpfe Vergangenheit und Gegenwart, eröffne den Weg in die Zukunft, sei leise, komplex, sagt Heinemann. Und: „Religion und Musik teilen etwas, es geht um die großen Themen.“

Leise wird es nicht, wenn DJ Westerweller auf seinem Laptop die Auswahl Pelhams anklickt. Emotion und Musik sind hier Geschwister. Auf die Fragen des Moderators hin, gackert Pelham gelegentlich vergnügt, wechselt dann wieder ins Grundsätzliche, wendet sich den großen Themen von Menschsein und Glaube zu.

Anders als der Name der im vergangenen Jahr gestarteten Reihe suggeriert, dreht sich kein Plattenteller, DJ Westerweller holt die Songs aus dem digitalen Raum in die Bornheimer Barockkirche. Eingängig startet die Musik mit Max Richters Bearbeitung des „Frühlings“ von Vivaldi. Später lässt Pelham es krachen, „Lieber stehend sterben“ von den Böhsen Onkelz, ganz schöner Tobak. Der 52-Jährige findet: „Krawall ist natürlich auch ein Weg aus dem Leid.“ Krawall, Kitsch, große Namen, Mainstream, der HipHopper verknüpft es unbesschwert.

Bei Ed Sheeran mag DJ Westerweller nicht so recht mitgehen. Dann schon eher ein anderer Welthit Chaka Khans „Ain‘t Nobody“. Stücke, die mit dem Thema und mit der eigenen Biographie was zu tun haben, die den jeweiligen Gast aus der Musikszene geprägt haben, verknüpfen die Vinylgottesdienste. B.B: King – „damit bin ich aufgewachsen“. Pelham erzählt von seinem Vater, einem US-Amerikaner, selber Bluesmusiker. Als der im Sterben lag, flog er hin. Und sie hörten zusammen Musik.

„Das Leben leben“, „Transzendenz“, „das ist nicht das Ende“ – Moses Pelham zeigt keine Scheu vor Grundsätzlichem, auch nicht davor, das Tor zu Spirituellem, zur Religion zu öffnen. Pfarrer Lars Heinemann hätte ihn gerne ein anderes Mal als Gastprediger. Mal schauen. Auf jeden Fall geht die Vinyl-Reihe nach der Sommerpause weiter– ein besonderer Gottesdienst mit vielen andächtig lauschenden und nicht selten im Sitzen Tanzenden, stehend Wippenden.


Autorin

Bettina Behler 305 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach

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