Leben & Alltag

„Alte Menschen freuen sich nicht nur an Weihnachten über Besuch“

In den Wochen vor Weihnachten hat Nächstenliebe Hochkonjunktur – aber nicht immer ist der konzentrierte Trubel auch ein Segen. Fragen an Pfarrerin Gisa Reuschenberg, die als Seelsorgerin in zwei Frankfurter Altenheimen arbeitet.

Gita Reuschenberg. Foto: Rolf Oeser
Gita Reuschenberg. Foto: Rolf Oeser

Frau Reuschenberg, wie geht es vor Weihnachten in Altenheimen zu?

Da kommen Verwandte und viele Menschen aus der Umgebung und aus den Kirchengemeinden und bringen Geschenke oder Musik mit. Es kommen Flötengruppen und Posaunenchöre, die sonst nicht zu sehen sind.

Wie finden die alten Leute das?

Also erst einmal ist es natürlich ein guter Impuls. In Altenheimen leben viele einsame Menschen, die freuen sich grundsätzlich über Besuch. Aber ich habe auch schon ein paar Mal erlebt, dass der Trubel vor Weihnachten einfach zu groß wird. Wenn sich mehrere Gruppen hintereinander oder gleichzeitig ansagen. Oder wenn die Musik zu laut ist – viele Menschen tragen im Alter ein Hörgerät. Wenn man alte Leute überfordert, ziehen sie sich zurück. Leere Stühle im Publikum sind dann auch wieder frustrierend für die, die sich engagieren.

Und was geschieht, wenn die Weihnachts-Welle vorbei ist?

Da kommt natürlich viel weniger Besuch. Es ist sicher nicht so gemeint, denn, wie gesagt, es ist ein guter Impetus, an Weihnachten an andere zu denken. Aber manchmal wirken die Weihnachtsbesuche wie das Alibi dafür, im Rest des Jahres nicht in Erscheinung zu treten.

Was würde die alten Menschen dauerhaft erfreuen?

Ganz einfach: Einmal im Monat einen Besuch machen – man kann den Pfarrer oder die Pfarrein fragen, zu wem man gehen könnte. Dazu braucht man auch keine Seelsorge-Ausbildung, wie jetzt oft gesagt wird. Es geht einfach um Zuwendung, und die kommt dann auch zurück.


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Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".