Leben & Alltag

Filmtipp: Fridas Sommer

In ihrem ersten Langspielfilm „Fridas Sommer“ erzählt die spanische Regisseurin Carla Simóns die Geschichte eines Mädchens, das mit sechs Jahren Waise wird und sich in eine neue Familie einleben muss. Die Evangelische Filmjury zeigt den Film am 2. August im Mal Seh'n Kino mit anschließendem Filmgespräch.

Frida (rechts) muss sich nach dem Tod ihrer Mutter in einer neuen Umgebung einleben und mit ihrer neuen Schwester Anna (links) arrangieren. Foto: Grandfilm
Frida (rechts) muss sich nach dem Tod ihrer Mutter in einer neuen Umgebung einleben und mit ihrer neuen Schwester Anna (links) arrangieren. Foto: Grandfilm

Als ihre Mutter stirbt, ist Frida erst sechs Jahre alt. Das Großstadtkind soll künftig bei ihrem Onkel im katalonischen Bergland leben. Der betreibt dort eine Schreinerei, das nächste Städtchen ist ein paar Kilometer entfernt. Mit viel Freundlichkeit und Geduld bemühen sich der Onkel und besonders auch dessen Frau und die kleine Tochter Anna, Frida in die Familie aufzunehmen. Aber die ist eine Kratzbürste und stellt die Geduld der anderen immer wieder auf die Probe. Vor allem die kleine Anna bekommt Fridas Trauer und Ärger zu spüren.

In ihrem ersten Langspielfilm gelingt es der spanischen Regisseurin Carla Simóns, sich auf die Erlebniswelt ihrer Protagonistin einzulassen. Die Kamera bleibt nah bei Frida, erst im Verlauf der Handlung weitet sich der Blick für die Umgebung, das Haus, die Landschaft, die Familie. Dabei ist besonders Laia Artigas, die die Frida spielt, großartig. Frida wird dabei in ihrer ganzen ambivalenten Persönlichkeit gewürdigt, sie ist Opfer und Akteurin gleichzeitig. Ihre Geschichte wird weder psychologisiert noch banalisiert noch dramatisiert – man weiß gar nicht, wie genau es gelingt. 

Es ist wichtig, solche Geschichten zu erzählen, in denen die realen Probleme des menschlichen Daseins verhandelt werden, ohne überflüssigen Kitsch, ohne voreilige Interpretationen und moralische Wertungen. Auch die anderen Personen sind einfach auf eine selbstverständliche Weise anwesend, ihre Probleme und Amivalenzen werden nicht konstruierten Plots oder einer Dramaturgie des Storytellings unterworfen, wie man sie aus Kinofilmen normalerweise gewohnt ist. 

Was es allerdings gibt, das ist ein Happy End und, soviel sei bereits verraten: Es besteht aus Tränen. 

Die Evangelische Filmjury hat Fridas Sommer zum Film des Monats gewählt. Er kommt in Deutschland am 27. Juli ins Kino. Am Donnerstag, 2. August, zeigen die Jury und die Evangelische Akademie Frankfurt den Film um 20 Uhr ins Mal Seh'n Kino, Adlerflychtstraße 6. Anschließend gibt es ein Filmgespräch mit Monika Fach vom Grandfilm-Verleih in Nürnberg und Fabian Härtling vom Sozialpychiatrischen Zentrum für Kinder und Jugendliche in Frankfurt (8 Euro, Erm. 7 Euro).


Autorin

Antje Schrupp 151 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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