Leben & Alltag

„Manche sind geschockt, wenn sie hören, dass ich mich in der Kirche engagiere"“

Wenn Jugendliche sich in der Kirche engagieren, ernten sie dafür von Gleichaltrigen teilweise Respekt, teilweise aber auch Skepsis und Unverständnis.

Jugendliche organisieren ihre eigenen Events in der Kirche: Hier beim Eden-Abend mit Games und Quiz in der Gethsemanekirche im Frankfurter Nordend. |Foto: Sophie Schüler
Jugendliche organisieren ihre eigenen Events in der Kirche: Hier beim Eden-Abend mit Games und Quiz in der Gethsemanekirche im Frankfurter Nordend. |Foto: Sophie Schüler

„Was machst du so in deiner Freizeit?“ Das ist eine Frage, die junge Menschen häufig hören. Ob in einer neuen Schulklasse, im ersten Studiensemester oder beim Eintritt in die Lehre: Es gibt viele Kennenlern-Situationen. Wer dann antwortet „Fußball spielen“, „ins Kino gehen“ oder „Musik hören“ löst kaum Irritationen aus. Aber was, wenn jemand sagt: „Ich engagiere mich in der Kirche“? Viele junge Christ:innen treffen auf Skepsis, wenn sie Gleichaltrigen von ihrem Glauben erzählen.

Auch Hannah (20), Liam (18) und Vera (19) kennen das. Alle drei engagieren in sich Frankfurter Gemeinden und haben bereits Situationen erlebt, in denen sie mit Vorurteilen konfrontiert waren. Hannah erzählt von abschätzigen Blicken, die von wenig Verständnis für ihren Glauben zeugten. Als Schülerin hatten sie die skeptischen Reaktionen verunsichert, sagt sie. Jetzt studiert Hannah Jura und kann ihren Glauben mit mehr Selbstbewusstsein vertreten. Aber noch immer erlebt sie Vorurteile: „Man wird oft als sehr konservativ abgestempelt.“

Auch Liam musste seinen Glauben schon verteidigen: „Wenn ich sage, dass ich mich in der Kirche engagiere, fragen viele erst einmal abschätzig: Warum?“ Auch wenn er das dann erklärt, gebe es immer noch Leute, die „geschockt“ seien und zum Beispiel Sätze sagen wie „Glauben ist was für alte Leute.“

Deshalb wägt der 18-Jährige in bestimmten Situationen erst einmal ab: „Wenn ich mit jemandem spreche, der total gegen die Kirche ist, überlege ich, ob ich das überhaupt einbringe.“ Es sei auch schon vorgekommen, dass er dann einfach gesagt hat, er sei verabredet, statt zu erzählen, dass er in die Gemeinde geht.

Liam, der sich selbst als schwulen Transmann definiert, bewegt sich viel in der queeren Community. Auch hier treffe er teilweise auf Vorurteile: „Manche denken, dass Menschen aus der Kirche homophob sind, und verstehen nicht, weshalb ich dahin gehe.“

Dass sie homophob sei, wurde auch Vera schon vorgeworfen. „Die Vorurteile, die mir entgegenschwappen, wenn ich von meinem Glauben berichte, machen mich teilweise traurig.“

Trotzdem versucht Vera, ihre Religiosität nicht zu verstecken, sondern mit den Vorurteilen aufzuräumen. Zum Beispiel wenn in einer Gruppe die anderen Jugendlichen einfach davon ausgehen, dass Misstrauen gegenüber Religionen Konsens ist und sich negativ über Kirche und Religion äußern. Einmal sei sie in ein Gespräch verwickelt gewesen, bei dem die anderen sich einig waren, dass die Religionen für alles Übel der Welt verantwortlich sind, erzählt Vera: „Da habe ich versucht, meinen Standpunkt darzulegen, dass Religionen auch sehr viel Gutes hervorgebracht haben. Ich glaube, ich hatte einen positiven Einfluss.“

Hannah, Liam und Vera sind sich einig, dass es nichts bringt, den eigenen Glauben zu verstecken, denn so kommt kein Diskurs zustande. Sie wollen offen dazu stehen, dass sie religiös sind, und hoffen auf die Unterstützung anderer Jugendlicher: „Junge religiöse Menschen sollten sich gegenseitig den Mut geben, für ihren Glauben einzustehen und Selbstbewusstsein aufzubauen“, findet Hannah.

Liam ist der Meinung, „dass alle Jugendlichen füreinander da sein sollten“. Vera wünscht sich, dass „vor allem junge Christ:innen einander unterstützen und sich nicht wegen verschiedener Auslegungen gegenseitig das Leben schwer machen“.

Sich in der Kirche engagieren? So geht‘s!

Es gibt viele Möglichkeiten für junge Menschen, in der Kirche aktiv zu werden und darüber mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen: von der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen über die Mithilfe bei Gemeindefesten bis zum großen Konficamp.

Die erste Anlaufstelle ist die eigene Kirchengemeinde vor Ort. Manchmal koordinieren Gemeindepädagog:innen das Angebot, in manchen Gemeinden macht das Evangelische Jugendwerk (ejw.de) Programm. Zu welcher Gemeinde man gehört, richtet sich nach der Adresse (Hier gehts zum „Gemeindefinder“)

Auch im Kirchenvorstand, dem leitenden Gremium, können Jugendliche vertreten sein. Sie können dort die Perspektive von jungen Menschen einbringen und erste Erfahrungen im politischen Engagement sammeln.

Wer in Jugendgruppen als Teamer:in mithelfen will, kann im Stadtjugendpfarramt eine Ausbildung machen. Danach bekommt man die „Juleica“ (Jugendleiter:in-Card), mit der es auch Vergünstigungen gibt, zum Beispiel in einigen Schimmbädern.

In den Ferien werden immer auch Ehrenamtliche gesucht, die Kinder- und Jugendfreizeiten begleiten. Informationen dazu bekommt man bei evangelische-jugendreisen.de oder auf ejw.de.


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Monja Stolz 2 Artikel

Monja Stolz ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins.

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