Leben & Alltag

Ostern und Multikulti, das ist eher unkompliziert

In manchen evangelischen Kitas ist die Mehrzahl der Kinder muslimisch. Das heißt aber nicht, dass Ostern keine Rolle spielen würde.

Osterbasteln für alle in der Kita Rosengarten in Nied. Foto: Rolf Oeser
Osterbasteln für alle in der Kita Rosengarten in Nied. Foto: Rolf Oeser

In der evangelischen Kita Rosengarten in Nied spielt das wichtigste Fest im Kirchenjahr natürlich eine Rolle. Es wird „nicht ganz traditionell, aber immer mit Bedacht“ begangen“, wie Kita-Leiterin Ulrika Ludwig sagt. Gemeinsam mit Pfarrerin Charlotte von Winterfeld wird das Osterfest geplant und vorbereitet – ob als Theaterstück, Puppenspiel oder mit Hilfe eines Bilderbuchs.

Allerdings gehen die Kinder dazu nicht, wie früher, in die Kirche, sondern bleiben in den Räumlichkeiten der Kita. „Die Kinder bei uns sind zu 70 Prozent muslimischer Herkunft. Wenn wir das Osterfest in der Kirche begehen würden, kämen nur wenige“, sagt die Kita-Leiterin Ulrika Ludwig. „Da muss man einfach flexibel sein.“

An Gründonnerstag feiern alle gemeinsam ein Mahl. Dazu kommt ein 15 Meter langes Tuch zum Einsatz. „Das breiten wir an Gründonnerstag in unserem Flur aus“, erzählt Ludwig. Gedeckt wird mit Brot und Traubensaft. Das gebrochene Brot wird mit dem Nachbarkind geteilt, egal ob links, rechts oder gegenüber. „So schaffen wir die Atmosphäre des Abendmahls. Dieses feiern wir zu Ostern immer gemeinsam. Manchmal kommen sogar ein paar Eltern dazu. Das freut uns dann immer besonders.“ 

Beim offenen pädagogischen Konzept der Einrichtung können die Kinder vieles selbst entscheiden, zum Beispiel auch, ob sie etwas Österliches basteln wollen oder nicht. „Wenn der Wunsch von den Kindern geäußert wird, machen wir alles mit.“ Die Erzieherinnen erzählen auch die Bibelgeschichte, allerdings kindgemäß: „Wir erklären das Leiden und Sterben Jesu. Aber bei uns ist die Auferstehung immer recht fix, nicht erst zwei Tage später. Das können die Kinder sonst nicht sehr gut verstehen und verarbeiten.“ 

Die Verbindung von Christentum und interreligiöser Alltagskultur sieht Ulrika Ludwig pragmatisch und vermittelbar. Auch für viele christlich sozialisierte Menschen ist Ostern heute ja eher ein Frühlingsfest. So erfahren die Kinder, dass um die Osterzeit die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht, daher die Verbindung zum Osterhasen. Der hoppelt jetzt, wo die Temperaturen milder werden, wieder auf den Wiesen umher. Die Tiere bringen ihren Nachwuchs zur Welt, die Bäume stellen ihre Knospen zur Schau. Vielerorts kann man die ersten Buschwindröschen, Narzissen und Krokusse bewundern. Die Tage werden länger, alles ist irgendwie belebt. So wie Jesus nach der Auferstehung. 

„Nach dem Abendmahl dürfen die Kinder dann auch im Garten auf die Suche gehen.“ Osternester gibt es allerdings nicht. „In diesem Jahr bekommt jedes Kind eine Becherlupe mit einem kleinen Schoko-Ei oder -Hasen. Das ist dann so wie ein Nestchen.“ Ostern und Frühling – beides also Auferstehung, unkompliziert und zeitgemäß in Verbindung gebracht.


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Angela Wolf 38 Artikel

Angela Wolf ist Mitglied der Redaktion von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse in Frankfurt am Main, arbeitet als freie Autorin und ist ehrenamtlich aktiv.

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