Leben & Alltag

Trauer, Traurigkeit, Depression – und was man dagegen tun kann

Traurige Stimmungen kennt jeder. Manchmal kommen sie einfach angeflogen, manchmal gibt es einen konkreten Anlass, und manchmal wollen sie gar nicht mehr verschwinden. Für Außenstehende ist es nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um eine vorübergehende Gemütslage handelt, oder ob jemand in eine Depression rutscht.

Depression ist eine Krankheit und muss behandelt werden. Einfach Weglächeln funktioniert nicht. | Foto: Sydney Sims / Unsplash.com
Depression ist eine Krankheit und muss behandelt werden. Einfach Weglächeln funktioniert nicht. | Foto: Sydney Sims / Unsplash.com

Der alte Herr sitzt in der Ecke, tief versunken in seinem Armlehnstuhl. Auf das fröhliche „Guten Tag, wie geht es Ihnen?“, kommt nur ein mattes Lächeln. Seine traurige Stimmung ist mit den Händen zu greifen. Was ist in so einem Fall am besten zu tun? Soll man mit einem munteren „Jetzt trinken wir erst einmal eine Tasse Kaffee“ darüber hinweggehen? Oder nachfragen, was los ist? Energisch zu dem verabredeten Spaziergang auffordern?

„Traurigkeit ist ein normales menschliches Gefühl, es gehört zum Leben dazu, hat eine Ursache und geht wieder vorbei“, erläutert Facharzt Markus Friedberger von der Tagesklinik Agaplesion. Wie man Traurigkeit, Trauer und Depression voneinander abgrenzen kann und wann professionelle Hilfe notwendig ist, das war Thema auf einem Fachtag des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach für ehrenamtlichen Besuchsdienst und Seelsorgearbeit.

Wer einen Trauerfall in der Familie hat, sich manchmal einsam fühlt, über verpasste Chancen, Fehlgeschlagenes und Versäumtes nachsinnt, sei meistens trotzdem in der Lage, seinen Alltag zu bewältigen, und auch die Kommunikation mit anderen Menschen ist nicht beeinträchtigt. Traurigen Menschen tut es gut, sich ihren Kummer von der Seele zu reden. Sie können auch lachen und an etwas Anderes denken. Wenn Menschen trauern oder melancholisch werden, setzen sie sich oft gedanklich mit der Endlichkeit des Daseins auseinander, was durchaus auch in einen kreativen Verarbeitungsprozess münden kann.

Ganz anders ist das aber bei einer Depression. Sie ist eine eigenständige, behandlungsbedürftige Erkrankung, die den ganzen Menschen beeinträchtigt. Erleben, Denken, Fühlen und Handeln verändern sich. Friedberger nennt mehrere Symptome, an denen sich eine Depression erkennen lässt: eine durchgehend gedrückte Stimmung, Interesselosigkeit, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit. Wenn mindestens zwei davon über mehrere Wochen andauern, ist Vorsicht angesagt, vor allem wenn noch Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, ein vermindertes Merk- und Konzentrationsvermögen oder das Gefühl von Wertlosigkeit und Aussichtslosigkeit hinzukommen. Ernsthafte Warnsignale bestehen, wenn jemand Nächte durchgrübelt und überhaupt nicht zur Ruhe kommt. Oder Besuche absagt, die Tür nicht öffnet, morgens nicht aufsteht, Hobbys aufgibt, sich zurückzieht oder Verabredungen nicht einhält.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe schätzt, dass jeder fünfte Mensch einmal in seinem Leben an Depression erkrankt. Auch ältere Menschen sind häufig betroffen, zumal die Belastungsfaktoren steigen. Der Tod des Lebenspartners, ein Umzug in ein Heim, abnehmende Mobilität oder Krankheiten können Auslöser sein. Nicht selten kommt es vor, dass ein altes Trauma aufbricht und Betroffene in einen Strudel von bedrückenden Erinnerungen, Schuldgefühlen und Ängsten geraten. Ein hohes Suizidrisiko haben vor allem Männer über 85 Jahre.

Wichtig ist es, sich Hilfe zu holen. „Bei einer Depression gibt es wirksame ärztliche Behandlungsmöglichkeiten“, betont Friedberger. Medikamente können bei leichten Fällen gut helfen, je nach Schweregrad gibt es auch Fachkliniken und Psychotherapie. Angehörigen empfiehlt er, ärztlichen Rat hinzuzuziehen, geduldig und mitfühlend zu sein. „Wir schaffen es gemeinsam“ sei eine wichtige Mut-Botschaft. Vorsichtig sein sollte man mit Ratschlägen, sich zusammenzureißen, denn das schafft nur Druck und Schuldgefühle. Besser sei es, dem anderen zu zeigen, dass man die Traurigkeit wahrnimmt, sie nicht weg redet oder weg lächelt.

Besuchsdienste gibt es in vielen Kirchengemeinden, wer Interesse hat oder Besuche anregen möchte, kann sich dafür an das jeweilige Gemeindebüro wenden. Wenn Sie in Frankfurt oder Offenbach wohnen, finden Sie Ihre zuständige Gemeinde über dieses Formular.

Informationen für Betroffene und Angehörige gibt es bei der „Deutschen Depressionshilfe“, Info-Telefon 0800 3344533 oder unter www.deutsche-depressionshilfe.de.


Autorin

Anne Rose Dostalek ist freie Journalistin und lebt in Frankfurt am Main.

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