Leben & Alltag

Warum suchen und finden nichts miteinander zu tun haben

Das Schlimmste an Ostern ist das Eiersuchen. Denn wenn man etwas erst einmal suchen muss, findet man es garantiert nicht.

Foto: Laureniu Iordache/Unsplash.com
Foto: Laureniu Iordache/Unsplash.com

Wer suchet, der findet? Von wegen. Das Gegenteil ist richtig: Wenn ich etwas erst einmal suchen muss, finde ich es bestimmt nicht.

Meinen Impfpass zum Beispiel. Wochenlang war er auf meinem Schreibtisch hin- und her gewandert, ständig kam er mir zwischen die Finger, wenn ich auf der Suche nach irgendwas anderem in meinen Papieren wühlte. Bis ich ihn dann tatsachlich mal brauchte, nein, leider noch nicht für die Corona- Schutzimpfung, sondern nur zur Auffrischung von Diphterie-Tetanus-Keuchhusten. Aber mein Impfpass war wie vom Erdboden verschluckt.

Es gibt viele ähnliche Beispiele. Wenn ich mir in den Kopf gesetzt habe, eine bestimmte Bluse kaufen zu wollen, eine dunkelgrüne etwa, kann ich sicher sein, dass alle Blusen, die angeboten werden, plötzlich rot oder gelb sind. Daher lege ich mich fest: Etwas zu suchen, ist die beste Garantie dafür, es nicht zu finden.

Natürlich bin ich auch selber schuld. Ich könnte meinen Impfpass ja ordentlich wegräumen, zum Beispiel immer in eine bestimmte Schublade tun. Andererseits: Wenn ich genau weiß, wo etwas ist, muss ich es ja nicht suchen. Das Problem besteht doch darin, Dinge zu finden, von denen ich nicht weiß, wo sie sind.

Es gibt vermutlich einen Grund, warum suchen und finden nicht zusammenpassen: Denn je genauer die Vorstellung von dem ist, was man will, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet das zu finden.

Kaum Chancen hat ja wohl jener Herr, der per Kontaktanzeige eine kluge, finanziell unabhängige, attraktive Frau zwischen 24 und 30 sucht, mindestens 1,70 groß, höchstens 55 Kilo schwer, mit Heiratswunsch und Verständnis für seine häufigen Geschäftsreisen. Selbst wenn es diese Superfrau gibt, wird sie hoffentlich einen etwas weniger engstirnigen Mann haben wollen.

Ganz anders die Findigen. Für sie ist die Welt voller Möglichkeiten. Sie erkennen in einem schrottigen Etwas, das nach dem Umzug der Nachbarn auf dem Müll gelandet ist, das Gestell für einen schicken Designertisch. Er hat zwar keine Platte, aber, da sind sie sicher, die findet sich auch noch.

Wie sie das machen, ist mir allerdings schleierhaft. Denn auch das habe ich schon getestet: Nicht zu suchen ist auch keine Garantie dafür, etwas zu finden.


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Antje Schrupp 164 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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