Leben & Alltag

Wenn bunte Eier und Hasen aus Schokolade nicht mehr genügen

Es hat sich inzwischen eingebürgert, dass Kinder nicht nur an Weihnachten, sondern auch an Ostern Geschenke bekommen. Ein Trend, dem man sich kaum noch entgegenstellen kann.

Nur ein paar bunte Eier? Viele Kinder erwarten heute zu Ostern deutlich mehr Geschenke. |
Nur ein paar bunte Eier? Viele Kinder erwarten heute zu Ostern deutlich mehr Geschenke. | Quelle: http://www.colourbox.de

Als ich Kind war, wurden an Ostern Eier versteckt, echte oder aus Schokolade, sonst nichts. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass es da noch zusätzlich Geschenke geben könnte. Der Osterhase brachte Eier, wir Kinder fanden es herrlich, sie zu suchen, und waren glücklich damit. 

Heute reicht Schokolade im Garten oft nicht mehr aus. Nach Angaben des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) in Köln verzeichnete die Branche voriges Jahr im Ostermonat über 30 Millionen Euro mehr Umsatz als in anderen Monaten. Dabei gaben die Menschen in Deutschland im Schnitt zwischen 10 und 40 Euro pro Geschenk aus. „Ostern ist nach Weihnachten und Geburtstag der drittwichtigste Geschenke-Anlass“, sagt BVS-Geschäftsführer Willy Fischel. Der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) in Nürnberg hat ähnliche Zahlen. Demnach machen die Osterverkäufe an den zwei Wochen vor dem Fest mit rund 150 Millionen Euro bereits seit mehreren Jahren fünf Prozent des Jahresumsatzes aus.

Die österliche Schenk-Laune hängt dabei auch von äußeren Faktoren ab: Je früher im Jahr Ostern liegt und je schlechter das Wetter ist, desto mehr werden Brettspiele, Klötzchen und andere klassische Spielsachen für daheim gekauft. Liegen die Feiertage erst spät und scheint die Sonne, sind auch größere Outdoor-Produkte gefragt wie Laufräder, Rutschautos oder Roller. 

Was normal ist, wird irgendwann auch selbstverständlich: Viele Kinder erwarten heute bereits, dass sie an Ostern Geschenke bekommen. Schließlich bekommen die anderen in ihrer Klasse ja auch welche. Auch die Werbung suggeriert, dass es so sein muss.

Schenken ist ja an sich nichts Falsches, auch an Ostern nicht. Aber manche Eltern von kleinen Kindern ärgern sich durchaus, wenn gutmeinende Großeltern und Verwandte die Osternester immer mehr überladen. Sie fragen sich, was das einzelne Geschenk dann noch für einen Wert hat. Und was für eine Weltsicht es ihren Kindern vermittelt, wenn sie fast immer fast alles bekommen.

Ganz davon abgesehen, dass es auch viele Familien gibt, denen es schon schwer fällt, sich auch nur Schokoladeneier für ihre Kinder zu leisten. 


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Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".