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Erzählcafe in Rumpenheim „Lasst die Kirche im Dorf“

Die Rumpenheimer Schlosskirche ist auf den ersten Blick ein schlichter unspektakulärer Bau, eingebettet in das Grün eines Schlossparkes. Doch sie spiegelt 250 Jahre Glaubensgeschichte wider und ist ein kleines Schmuckstück, das von einer 1900 Mitglieder zählenden evangelischen Kirchengemeinde mit Leben erfüllt wird.

Unscheinbares Schmuckstück im Grün des Schlossparks: die Schlosskirche Rumpenheim  |  Foto: Anne-Rose Dostalek
Unscheinbares Schmuckstück im Grün des Schlossparks: die Schlosskirche Rumpenheim | Foto: Anne-Rose Dostalek

„Unsere Schlosskirche war immer die Rumpenheimer Dorfkirche“ betont Horst Kriszio im Erzählcafé der Bürgerinititative Rumpenheim. Das ist dem gebürtigen Rumpenheimer, Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde Rumpenheim, wichtig, denn Dorf, Kirche und der Glauben waren schon vor dem Schloss mit seinen wechselnden Herrschaften da. Die Rumpenheimer Dorfbewohner selbst, entschieden in den 1750er Jahren, dass ein neues Gotteshaus her muss. Sie wollten nicht mehr in einem kleinen Kirchlein mit undichtem Dach sitzen, sondern eine neue schöne und vor allem größere Kirche haben.

Das mutige Unterfangen wurde von den „Herrschaften“ unterstützt, Prinz Karl aus dem Haus Hessen-Kassel gab das Geld für Bauholz dazu. In Sichtweite seines Herrensitzes, direkt am Main gelegen, entstand nun die neue Dorfkirche, ein unverputzter Saalbau aus rotem Sandstein. Der barocke Glockenturm trägt ein Haubendach. Die Innenausstattung ist schlicht gehalten ohne Bilderschmuck, aber mit einer mittig platzierten schönen und reichgeschmückten Rokoko-Kanzel, von der die Predigt gehalten wurde. So wie es der reformierte Glaube verlangt.

Rumpenheim war von jeher eine südmainische Enklave der Grafschaft Hanau gewesen und Hanau war seit 1541 reformiert. So sei das damals gewesen, erläutert Kriszio im Erzählcafé. Die jeweiligen Landesherren bestimmten den Glauben ihrer Untertanen. Das hielt auch Landgraf Wilhelms VIII. von Hessen und Hanau nicht anders und so lautet die Inschrift auf seinem Wappen, das er an der Kirchturmtür anbringen ließ: „….dieses Hause, welches der Pflege der reineren Religion geweiht ist, ist im Jahre 1756 erbaut worden“.

Wer nach Rumpenheim zuzog und einer anderen Konfession anhing, musste zum lutherischen Gottesdienst auf die andere Mainseite nach Fechenheim übersetzen oder nach Bürgel wandern, das katholisch geprägt war. 1818 wurde die Gemeinde „uniert“, denn das Kurfürstentum Hessen schloss sich der lutherisch-calvinischen Union an. Die erste und einzige katholische Kirche in Rumpenheim wurde erst 1930 gebaut.

Dass die Rumpenheimer Dorfkirche zu einer Schlosskirche wurde, obwohl sie nach wie vor das Gotteshaus der Ortsgemeinde war, hängt mit der landgräflichen Nachbarschaft des Hauses Hessen-Hanau zusammen und dem Ausbau des Schlosses zu einer repräsentiven Dreiflügelanlage. Die jeweiligen Schlossherren scheuten nicht davor zurück, die Häuser von Dorfbewohnern abzureißen, um Schloss und Schlosspark zu vergrößern. Seitdem steht die Kirche nicht mehr mitten im Dorf, sondern ist umgeben vom Grün eines Landschaftsparks. Fürstenlogen wurden nachträglich in die Kirche eingebaut, denn im Schloss gingen 100 Jahre lang Adlige aus ganz Europa aus und ein. Hessische Landgrafen und Prinzen stifteten eine Orgel und beschenkten die Kirche mit kostbarem Abendmahl- und Taufgerätschaften und einem silbernen Kruzifix.

Die Zeiten haben sich gewandelt, die Glanzzeit des Adels ist längst vorbei, das Schloss oder was nach einem verheerenden Brand im Zweiten Weltkrieg davon übriggeblieben ist, wird von „Bürgerlichen“ bewohnt. Heil überstanden hat die Schlosskirche all diese Zeiten.

Die beiden Pfarrerinnen Kirstin Lippek und Ute Seibert halten hier die Gotttesdienst ab, es wird geheiratet oder Konfirmation gefeiert. Die Rumpenheimer Kantorei, der Organist, die Flötengruppen und Kammerkonzerte sorgen für musikalisches Leben. Wer sich das Gotteshaus anschauen will, der hat zu den Zeiten der „Offenen Kirche“ an Wochenenden Gelegenheit dazu. Reizvoll ist es im Übrigen auch, anschließend auf der 19 Kilometer langen „Mainkirchenroute“ die Gustav-Adolf-Kirche in Dietesheim und die Alte Kirche in Dörnigheim zu besuchen.


Autorin

Anne Rose Dostalek ist freie Journalistin und lebt in Frankfurt am Main.

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