Offenbach lokal

Keine Pflege im Minutentakt – Dank Förderverein

Der Förderverein der Offenbacher Diakoniestation geht mit einem neuem Vorstand in die Zukunft. An Aufgaben fehlt es nicht.



Der neue Vorsitzende Martin Kapp (re) bedankt sich bei Klaus Hillingshäuser und Wilma Meier für ihr jahrzehntelanges Engagement im Vorstand. Foto: Rolf Oeser
Der neue Vorsitzende Martin Kapp (re) bedankt sich bei Klaus Hillingshäuser und Wilma Meier für ihr jahrzehntelanges Engagement im Vorstand. Foto: Rolf Oeser

Die Altersarmut ist in Offenbach am höchsten in ganz Deutschland. Was das für das Leben älterer Menschen bedeutet, erleben Martina Desch und ihr Team der Diakoniestation Offenbach täglich, wenn sie zu Pflegebedürftigen nach Hause kommen. „Manche sind sehr arm, sie leben von sehr wenig Rente“, sagt Martina Desch, die die Diakoniestation Offenbach des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach leitet. Die Diakoniestation ist für 100 bis 120 Pflegebedürftige da, darunter 20 bis 30 Schwerstpflegebedürftige. Manche Angehörige erzählen Martina Desch beim Erstgespräch, dass sie zuvor bei sechs, sieben anderen ambulanten Diensten nachfragten – keiner war bereit, die Pflege zu übernehmen.

Länger bei älteren Menschen bleiben können

Die Arbeit für Schwerstpflegebedürftige wird auch dadurch möglich, dass der Förderverein für die Diakoniestation in Offenbach am Main e.V. die ambulante Pflegeeinrichtung seit 1983 unterstützt. Der Förderverein sorgt dafür, dass die Diakoniestation keine Pflege im Minuten-Takt abrechnen muss, sondern länger bei älteren Menschen bleiben kann, wenn es ihnen gut tut. Weil der Förderverein Geld beisteuert, kann sich das Pflegeteam nach den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten richten, etwa wenn eine alte Dame mit dementiellen Veränderungen mehr Zeit in der Pflege braucht als die Krankenkasse vorsieht. Oder wenn bei einem älteren Mann der Kühlschrank kaputtgeht und er keinen neuen anschaffen kann, weil seine Rente so gering ist.

Pfarrer ist neuer Vorsitzender

„Einfach mal reden, etwas vorlesen, ein Gebet sprechen oder eben einen neuen Kühlschrank organisieren – alles, was über die mit der Krankenkasse abzurechnende Pflegeleistung hinausgeht, übernimmt der Förderverein“, sagt Martin Kapp. Der evangelische Pfarrer ist seit dem Frühjahr neuer Vorsitzender des Fördervereins. Er möchte die Arbeit seines Vorgängers Klaus Hillingshäuser fortsetzen und weiter ausbauen. Hillingshäuser, der im Mai seinen 80. Geburtstag feierte, baute den Förderverein mit auf und leitete ihn 38 Jahre lang.

Struktur in einen langen Tag bringen

Der Förderverein unterstützt beispielsweise auch den Besuchsdienst der Diakoniestation, der für die vielen älteren Offenbacherinnen und Offenbacher da ist, die völlig vereinsamt sind, mit Depressionen oder dementiellen Veränderungen leben. Der Besuchsdienst liest ihnen vor, schaut Fotoalben mit an, bringt Struktur in einen langen Tag. Der Förderverein fördert außerdem Weiterbildungen für Mitarbeitende der Diakoniestation, unterstützt Ausbildungen und finanziert neue Autos für den Pflegedienst.

Der ehemalige Religionslehrer Klaus Hillingshäuser war nicht nur Vorsitzender, sondern auch dafür zuständig, Bußgelder zu akquirieren und den Förderverein über die Jahre hinweg immer wieder ins Gedächtnis der Juristen am Offenbacher Amtsgericht zu rufen: „Es kam über die Jahre hinweg eine stattliche Summe für die Diakoniestation zusammen“, sagt Hillingshäuser. Dazu tragen Einzelne ebenso bei wie Organisationen und Institutionen. Beispielsweise steuerte der Lions Club Rhein-Main aus dem Erlös seines Fahrrad-Basars eine hohe vierstellige Summe für den Besuchsdienst „Zeit für Menschlichkeit“ bei. Und nicht zuletzt sind es die Mitglieder, die für den Förderverein mindestens zehn Euro Beitrag im Jahr zahlen, viele geben ein Vielfaches. Mitte der 1980er Jahre waren es zeitweise 800 Mitglieder, heute zählt der Förderverein rund 200 Mitglieder.

Wenn die Menschen wissen, wofür sie spenden, tun sie es gerne

„Die Arbeit für den Förderverein hat mir Freude gemacht, ich wünsche mir, dass die Diakoniestation möglichst lange und gut durch die Zeiten kommt“, sagt Klaus Hillingshäuser. Gerne erinnert er sich an die Zusammenarbeit mit Kassiererin Lotte Brandt – die ehemalige Mitarbeiterin der Diakoniestation hatte ihr Amt mit dem Renteneintritt übernommen und war noch mit über 90 Jahren ehrenamtlich aktiv: „Das war toll, sie hat vorbildliche Arbeit geleistet“. Nun haben Hillingshäuser und Beisitzerin Wilma Meier nach jahrzehntelangem Engagement das Ruder übergeben, zusammen mit Pfarrer Martin Kapp kam Nora Pullmann neu als Beisitzerin in den fünfköpfigen Vorstand.

Vorsitzender Martin Kapp blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir sind fleißig dabei zu überlegen, wie wir Gelder akquirieren können.“ Er ist überzeugt: „Wenn die Menschen wissen, wofür sie spenden, tun sie es gerne.“


Autorin

Susanne Schmidt-Lüer ist Pressesprecherin des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach. Sie schreibt auch als freie Autorin vor allem über Sozialpolitik, Kirche, Alter und wirtschaftspolitische Themen.

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Lebhafte Diskussionen sind interessant, können aber manchmal die Gemüter erhitzen. Bitte achten Sie auf einen angenehmen Umgangston und vermeiden Sie verbale Angriffe auf andere Kommentatoren. Die Redaktion behält sich vor, unangebrachte Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.