Offenbach lokal

Persönlichkeit über den Tod hinaus

Die Offenbacher Friedhofsverwaltung kümmert sich zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Irmela Büttner um die Organisation der Sozialbestattungen auf dem Friedhof in Bieber. Respektiert wird der jeweilige Glaube.

Pfarrerin Irmela Büttner sind die Sozialbestattungen ein Anliegen. I Foto: Rolf Oeser
Pfarrerin Irmela Büttner sind die Sozialbestattungen ein Anliegen. I Foto: Rolf Oeser

Niemand soll ungenannt bleiben nach dem Tod, außer es ist anders gewollt. Davon lässt sich die Offenbacher Friedhofsverwaltung leiten. In Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach sorgt die Leiterin der Friedhofsverwaltung Gabriele Schreiber dafür, dass es nicht an fehlenden Mitteln scheitert, dass Menschen eine letzte Ruhestätte finden mit Nennung des Namens sowie des Geburts- und Todesdatums.

Die Kosten für eine Bestattung gehen in die Tausender. 2009 war es, als Schreiber hörte, „der Schorschie soll anonym beerdigt werden“. Viele kannten ihn, den durch eine Hirnhautentzündung Beeinträchtigten, der bei der Stadt mehr als 30 Jahre aushalf. Sie und andere suchten nach einem Weg, ihm trotz fehlender Mittel zu einem Grab mit Namen und Geburts- und Todesdatum auf dem Friedhof zu verhelfen und zu einer Trauerfeier. „Ich denke, dass jeder ein ordentliches Grab verdient hat“, von dieser Devise lässt sich Schreiber leiten.

Das damalige Evangelische Dekanat Offenbach übernahm die Organisation dieser und anderer Sozialbestattungen. Heute ist Pfarrerin Irmela Büttner von der Evangelischen Kirchengemeinde Bieber dafür zuständig. „Wir kümmern uns, egal, welchen Glaubens die Menschen sind“, sagt sie. Nicht immer hält sie die Trauerfeier.

Bei einem Rundgang über den Bieberer Friedhof geht Büttner in die Knie, zeigt auf die Metallplatten, die die Namen und Lebensdaten enthalten. Auf einem dieser Gräber liegt ein kleiner Tannenzweig. Die anderen sind im Gegensatz zu den benachbarten Platten der Rasengräber kahl.

„Bekannt bei Gott“, dieser Satz des Propstes für Rhein-Main Oliver Albrecht, gesagt in einer Andacht zum Totensonntag, ist Büttner ein Anliegen. Es müsse unterschieden werden zwischen Menschen, die sich bewusst für eine anonyme Bestattung entschieden, und denjenigen, denen das Geld für eine Beerdigung mit Grabstein fehle.

Die Spendenmittel, die für die Bestattungen zur Verfügung stehen, reichen nicht weit, zusätzliche Zuwendungen für diesen Zweck sind willkommen. Blumenschmuck sucht man bei der Trauerfeier vergebens. Individuelle Gräber übersteigen gleichfalls das Budget, so werden jeweils zwei Urnen in einem Grab untergebracht. Menschen, die sich im Leben vermutlich nie begegnet sind, erhalten eine gemeinsame Ruhestätte – aber jede*r mit einer eigenen, aus Messing gefertigten Plakette.

Die Leiterin der Friedhofsverwaltung war „bei der einen oder anderen dieser Bestattungen dabei“. Sie hat den Eindruck gewonnen, dass die wenigen, die den letzten Weg begleiteten, „dankbar waren, dass sie gemeinsam gehen konnten.“ Und dass die Verstorbenen auf diese Weise nicht vergessen sind. Von einem „Offenbacher Modell“, spricht Gabriele Schreiber, nur wenig Vergleichbares gebe es in der Bundesrepublik.

Selten meldeten sich Verwandte der Toten, eher sorgten sich frühere Kolleginnen oder Bekannte um die letzte Ruhestätte. Dieser Tage hatte Büttner wieder einen Anruf, „von einem Freund, der sich kümmern wollte“. Schreiber erzählt von einer Urne, für die Bekannte aus der Teestube der Diakonie „eine Haube häkelten“.


Autorin

Bettina Behler 177 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach