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Verantwortung kann auch Spaß machen

Die Bürgeler Pfarrerin Amina Bruch-Cincar tritt am 1. Februar ihr Amt als Prodekanin im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach an. Zuständig sein wird sie dort für die Gemeinden in Frankfurt-Süd-Ost und in Offenbach sowie für Kirchenmusik und Altenseelsorge.

Pfarrerin Amina Bruch-Cincar bei ihrer Wahlrede im Dezember 2021 I  Foto: Rolf Oeser
Pfarrerin Amina Bruch-Cincar bei ihrer Wahlrede im Dezember 2021 I Foto: Rolf Oeser

„Sie sitzt auf gepackten Koffern“ – diese Redewendung trifft es nicht. Eher passt: „Sie ist dabei, ihren Schreibtisch zu räumen“: Pfarrerin Amina Bruch-Cincar verlässt Ende Januar die Evangelische Gustav-Adolf-Gemeinde in Bürgel. Im Dezember wählte das evangelische Kirchenparlament von Frankfurt und Offenbach die 56-Jährige zur Prodekanin, zuständig für die Gemeinden in Frankfurt-Süd-Ost und in Offenbach. Am 1. Februar tritt die Theologin ihr neues Amt an und bezieht ihr Büro im Frankfurter Dominikanerkloster. Der Umzug vom Pfarrhaus ins vis à vis von Bürgel gelegene neue Zuhause in Frankfurt-Fechenheim ist für den Herbst geplant.

Die 1965 in Kleinmachnow geborene und in Fechenheim aufgewachsene Theologin freut sich nach 18 Jahren in der Gustav-Adolf-Gemeinde auf das neue Amt, so sehr ihr Gemeinde und Stadtteil ans Herz gewachsen sind. „Es ist ein neuer Lebensabschnitt“, äußert die Pfarrerin mit Blick auf den Wechsel, durchaus mit Freude in der Stimme. Die beiden Töchter – zu Beginn der Zeit in Bürgel stand bei der Jüngeren die Einschulung an, bei der Älteren der Sprung aufs Gymnasium – sind aus dem Haus und gehen eigene Wege. Und überhaupt: Lust auf Sprünge, auf anderes, begleitete auch ihre Bürgeler Zeit, ob Bruch-Cincar als Autorin bei der Mitgliederzeituung Evangelisches Frankfurt und Offenbach einstieg oder das Publikum als Sopranistin bei „Kaffeehaus-Konzerten“ erfreute, sonntags nachmittags im Anschluss ans Tortenbuffet im Kirchsaal.

Zuzupacken, wenn was ansteht, gehört zu den Kennzeichen der angehenden Prodekanin. In den vergangenen drei Jahren war sie in Offenbach für drei Gemeinden zuständig, neben der Gustav-Adolf-Gemeinde auch für die Schlossgemeinde Rumpenheim und die Erlösergemeinde Waldheim. Es wundert nicht, dass sie im Gespräch schon mal eine Gemeinde mit einem Betrieb vergleicht. Wenn ein Rohr leckt, ruft sie den Handwerker, wenn der Hof nicht präsentabel ist, schaut Amina Bruch-Cincar nicht weg. Ein Ansatz, der auch schon hilfreich war bei Größerem, wie der Sanierung der Kirche im Jahr 2008 und der Instandsetzung des Gemeindehauses 2017. Dass zu Bauplanung und Umsetzung die Finanzen gehören, hatte sie stets im Blick und sei es mit originellen Fundraising-Aktionen wie Schrottsammeln und gemeindlichem Marmeladekochen, vertrieben unter dem Label „Gustavs Beste“.

Leitungsaufgaben sind der Pfarrerin, die in Frankfurt, Tübingen, Wien und Heidelberg studierte, keineswegs neu. Schon vor der Wahl zur Prodekanin gehörte Amina Bruch-Cincar dem Vorstand der Frankfurter und Offenbacher Kirche an. Als stellvertretende Dekanin begleitete sie das Zusammengehen der beiden evangelischen Kirchen zu einem Stadtdekanat. Was erst einmal nach stetem Kraxeln auf der Karriereleiter klingt, verlief in Wirklichkeit anders: „Ich habe mich lange gedrückt“, erzählt Bruch-Cincar. Vor die Alternative gestellt, „stadtweite Verantwortung oder Notfallseelsorge“, hat sie sich einst für die Notfallseelsorge entschieden.

Irgendwann kamen auf die Pfarrerin, die sich als „bodenständig“ beschreibt, doch Leitungsaufgaben zu – als Versammlungsleiterin des Kirchengemeindeverbands Offenbach ab 2013. Bruch-Cincars Sitzungsführung, straff und lösungsorientiert, kam an und die Pfarrerin merkte: „Das ist gar nicht so blöd, macht auch Spaß“. Für Bruch-Cincar eine gute Kombination, Ernst und Freude. Wenn die Leute ihre Gottesdienste verlassen, sollen sie nicht zerknirscht auf die Schuhspitzen schauen, „sondern Kraft geschöpft haben für die neue Woche“, so die Pfarrerin. Von ihrer theologischen Kompetenz profitieren auch angehende Prädikantinnen und Prädikanten, die sie zusammen mit einem Kollegen ausbildet fürs ehrenamtliche Predigen im Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach und im Dekanat Dreieich-Rodgau.

Zukünftig wird Amina Bruch-Cincar selber weniger Gottesdienste halten. Neben der Zuständigkeit für Kirchenmusik und Altenseelsorge im Stadtdekanat, wird sie als Prodekanin vor allem die Aufgabe übernehmen, in den süd-östlichen Teilen Frankfurts und in Offenbach Ansprechpartnerin für die Gemeinden zu sein. Ob im Alltag oder auch bei Neuerungen, etwa bei Zusammenschlüssen, hat Bruch-Cincar sich vorgenommen klug, sensibel und „mit viel Fingerspitzengefühl“ ihr neues Amt auszuüben.


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Bettina Behler 199 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach