Offenbach lokal

Winternotübernachtung für Obdachlose beginnt am 1. Dezember

Schutz vor Kälte finden Wohnsitzlose in der Teestube der Diakonie an der Gerberstraße. Bis zu 15 Personen finden hier bis Ende März nachts Platz.

Die Diakonie bietet in der kalten Jahreszeit an der Gerberstraße eine warme Bleibe. I Foto: Norbert Mark
Die Diakonie bietet in der kalten Jahreszeit an der Gerberstraße eine warme Bleibe. I Foto: Norbert Mark

Die Nächte werden feuchter und kälter. Wer draußen schlafen muss, leidet unter eisigen Temperaturen und setzt sich der Gefahr aus, zu erfrieren. In der Stadt Offenbach eröffnet deshalb am Mittwoch, 1. Dezember 2021, die Winternotübernachtung in der Teestube des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach an der Gerberstraße 15. Bis zum 31. März 2022 können dort beim Sozialdienst Offenbach Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie täglich zwischen 20 und 6.30 Uhr 15 Personen übernachten – Frauen, Männer, Diverse und Paare. Um die nötigen Abstände zwischen den Gästen einhalten zu können, werden zunächst allerdings nur acht Personen übernachten können. Die Gäste werden täglich zwischen 20 Uhr und 22 Uhr aufgenommen, auch eine Reservierung eines Platzes ist erstmals möglich. In der Teestube gibt es Schlafsäcke und Isomatten, warmen Tee und Gebäck vom Vortag, Toiletten und Waschmöglichkeiten. Um 22.30 Uhr beginnt die Bettruhe, um 6 Uhr werden die Gäste geweckt. Die Stadt Offenbach sichert die Winternotübernachtung finanziell ab, der Caritasverband Offenbach/Main e.V. und der Malteser Hilfsdienst sowie das Deutsche Rote Kreuz kooperieren.

„Obdachlose brauchen gerade in der kalten Jahreszeit unseren besonderen Schutz,“ so Paul-Gerhard Weiß, Ordnungsdezernent in Offenbach. „Für den Magistrat der Stadt Offenbach danke ich der Diakonie und den weiteren Kooperationspartnern, auch in diesem Winter eine Notübernachtung in unserer Stadt anzubieten!“

„Als Träger der Wohnungsnotfallhilfe in Offenbach am Main sind wir sehr froh, in diesem Winter erneut mit Unterstützung der Stadt Offenbach warme, trockene und sichere Schlafplätze anbieten zu können, denn wir wissen, wie sehr die Kälte obdachlosen Menschen zusetzt, hinzu kommt außerdem die weiterhin anhaltende Corona-Pandemie. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern bieten wir Menschen auf der Straße die Übernachtung in der Teestube an, um die Gefahr des Erfrierens zu minimieren“, sagt Dr. Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach.

Das Team der Caritas-Straßenambulanz, das im Stadtgebiet Offenbach unterwegs ist, um Obdachlose und Menschen ohne Krankenversicherung medizinisch-pflegerisch zu versorgen, macht Bedürftige auf das Übernachtungsangebot aufmerksam. Caritasdirektorin Christiane Leonhardt-Içten: „Wir sind sehr froh, dass es nun durch gemeinsame Anstrengung ein solches Offenbacher Angebot gibt. Bislang mussten Betroffene, die durch alle Raster des Sozialstaates fallen, bis nach Frankfurt fahren, um dort einen Platz in der Winternotübernachtung zu ergattern. Das haben etliche dann doch nicht gemacht und lieber auf der Straße kampiert. Das neue Angebot der Winternotübernachtung schließt in Offenbach eine Lücke und steht für Menschlichkeit und Barmherzigkeit in unserer weltoffenen Stadt.“

Das Deutsche Rote Kreuz stellt in diesem Winter zusätzlich spezielle Hygiene- und Carepakete für die Nutzer:innen der Notübernachtung und der Straßenambulanz zur Verfügung. Sie beinhalten spezielle Winterschlafsäcke, Isomatten sowie Hygieneprodukte. Ehrenamtliche packen die Hygiene- und Carepakete, die Finanzierung erfolgt über Stiftungsmittel.

Bereits im eiskalten Februar 2021 hatte das Diakonische Werk mit Unterstützung der Stadt Offenbach und des Caritasverbands Offenbach/Main e.V. sowie Kooperationspartnern erstmals eine Winternotübernachtung für Obdachlose in Offenbach gestartet, die Ende März auslief. „Wir hatten eine starke Nachfrage, die Plätze waren zu 88 Prozent ausgelastet“, sagt Thomas Quiring, der den Sozialdienst Offenbach Wohnungsnotfallhilfe leitet.


Autorin

Susanne Schmidt-Lüer ist Pressesprecherin des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach. Sie schreibt auch als freie Autorin vor allem über Sozialpolitik, Kirche, Alter und wirtschaftspolitische Themen.