Politik & Welt

Rechte Esoterik: „Das ist eine bunte Misstrauensgemeinschaft“

Der Weltanschauungsbeauftragte der bayerischen Landeskirche, Matthias Pöhlmann, analysiert in seinem neuen Buch das Phänomen der „Rechten Esoterik“.

Matthias Pöhlmann ist Weltanschaungsbeauftragter der Evangelischen Kirche in Bayern. | Foto: Norbert Neetz/epd-Bild
Matthias Pöhlmann ist Weltanschaungsbeauftragter der Evangelischen Kirche in Bayern. | Foto: Norbert Neetz/epd-Bild

Herr Pöhlmann, was ist Esoterik?

Der Begriff bezeichnet Vorstellungen und Praktiken, die sich auf übersinnliche Erfahrungen stützen. Esoterik beansprucht ein höheres, oft elitäres Wissen, das sich nur Sensitiven, Erleuchteten erschließt. Von Weltanschauungssystemen wie Theosophie und Anthroposophie zu unterscheiden ist der heutige Esoterik-Markt mit Angeboten von Astrologie bis Zirbeldrüsenaktivierung.


Ist „rechte“ Esoterik ein neues Phänomen?

Nicht neu, aber wieder stärker präsent. Bereits Mitte der 1990er Jahre erschienen Bücher, die rechtes und antisemitisches Gedankengut in esoterischer Verpackung präsentierten. Seit der Corona-Pandemie betreiben rechte Esoteriker intensive Vernetzungsarbeit. Über alternative Kanäle werden sie zu Superspreadern einer kruden Mischung aus Esoterik, Verschwörungstheorien und radikalem Gedankengut.


Wer versammelt sich da bei den Anti-Coronamaßnahmen-Demos?

Es handelt sich um eine bunte Misstrauensgemeinschaft. Darunter gibt es Verschwörungsgläubige, Impfgegner, Esoteriker, Naturheilkunde-Fans sowie solche, die unzufrieden mit den politischen Maßnahmen sind. Sehr laut werden Stimmen, die radikale Positionen vertreten oder den Staat als „Corona-Diktatur“ ablehnen. Das spielt Rechtsextremisten in die Hände, die hier verstärkt mitmischen.


Auch die Anthroposophie ist ins Gerede gekommen, warum?

Wegen der bei etlichen Anthroposophen oder in manchen Waldorfschulen verbreiteten Impfskepsis. Steiner selbst hatte sich kritisch zum Impfen geäußert, weil es Menschen angeblich den Zugang zu Spiritualität, zur Anthroposophie, verbaut.


Kann man mit Impfgegner:innen ins Gespräch kommen?

Das hängt vom Einzelfall ab. Es gibt Verunsicherte und solche, die noch im Zwiespalt sind. Mit Radikalisierten und im Verschwörungsglauben Gefangenen ist es kaum noch möglich, mit anderen, die offen und kommunikativ sind, sicher. Im Blick auf diese lohnt es sich in jeden Fall.


Matthias Pöhlmann: Rechte Esoterik. Herder, 304 Seiten, 22 Euro.
(Rezension lesen)


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Autor

Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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