Politik & Welt

Leben trotz Zerstörung: "Für Sama" zeigt erschütternde Bilder aus Aleppo

Mussten wirklich so viele Menschen Syrien verlassen und nach Europa kommen? Wäre es nicht besser da zu bleiben und für einen Wandel zu kämpfen? Die Studentin Waad al-Khateab hat genau das getan. Sie hat in Aleppo geheiratet, eine Tochter geboren – und gefilmt. Ihr Dokumentarfilm "Für Sama" ist Film des Monats März. Zu einer Vorführung mit anschließender Diskussion lädt die Evangelische Filmjury am Freitag, 6. März, um 20 Uhr ins Mal Seh'n Kino ein.

Die Journalistin Waad al-Khateab blieb mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter trotz des Krieges in Aleppo. | Foto: Filmpresskit
Die Journalistin Waad al-Khateab blieb mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter trotz des Krieges in Aleppo. | Foto: Filmpresskit

Als der arabische Frühling 2011 Syrien erreicht, bricht die 20-jährige Waad al-Khateab ihr Studium ab. Ihre Eltern möchten, dass sie nach Hause kommt, doch Waad bleibt in Aleppo und schließt sich dem Aufstand an – von der Hoffnung auf demokratischen Wandel getragen.

Aber dann schlägt das Assad-Regime zurück; Menschen verschwinden, werden gefoltert, liegen als Leichen im Fluss. Und es beginnen die Bombardements. Inmitten der jahrelangen Belagerung von Aleppo verliebt die junge Frau sich in den Arzt Hamza, der versucht, ein Minimum an medizinischer Versorgung aufrechtzuerhalten. Al-Khateab selbst dokumentiert über fünf Jahre hinweg das Leben im Ausnahmezustand, zunächst mit ihrem Smartphone, dann mit einer Videokamera. Sie filmt Notoperationen, Sterbende, Tote, Trauernde. Und sie filmt ihre Tochter Sama, die 2015 zur Welt kommt.

Die Bilder sind teilweise fast unerträglich anzuschauen. Und dabei, so die Regisseurin, habe sie die schlimmsten Szenen noch nicht einmal verwendet.

Waad, Hamza und Sama haben den Bürgerkrieg überlebt. Al-Khateabs journalistische Kontakte – ihre Reportagen aus dem Krieg wurden mit einem Emmy ausgezeichnet – ermöglichten der Familie 2017 die Flucht nach England. Der Dokumentarfilm „Für Sama“ entstand in Zusammenarbeit mit dem britischen Sender Channel 4 und dem Regisseur Edward Watts. Aber es ist ein radikal persönlicher, auch parteiischer Film, der auf eine Diskussion der komplizierten politischen und militärischen Lage verzichtet.

Die Stärke des Films ist seine Konzentration auf das unmittelbare Erleben der eingeschlossenen Zivilbevölkerung, auf den irritierenden Wechsel von Entspannung und Todesangst, vom Kuscheln mit der Tochter zur Flucht ins finstere Untergeschoss. Im Unterschied zum Strom der Nachrichtenbilder wird das Leid der unbekannten, zufälligen Opfer hier aber stets konkret – indem die Regisseurin es mit ihrer Erfahrung als Frau und Mutter verknüpft.

„Für Sama“ bringt dem Publikum erschütternd nahe, welchen Risiken die Menschen in den neuen Kriegsregionen ausgesetzt sind. Der Film kommt in Deutschland am 5. März ins Kino.

Die Evangelische Filmjury hat die Dokumentation zum Film des Monats März gewählt. Sie lädt ein zu einer Vorführung mit anschließender Diskussion am Freitag, 6. März, um 20 Uhr im Mal Seh'n Kino im Nordend, Adlerflychtstraße 6 (8 Euro). Zu Gast ist Till Küster von Medico International.


Autorin

Antje Schrupp 140 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com