Politik & Welt

Revolution jetzt!

Die Evangelische Akademie Frankfurt widmet ihr Programm dieses Jahr dem Thema Revolution (Links zu kommenden Veranstaltungen in der Reihe finden Sie am Ende des Artikels). Aber wie aktuell ist das Thema eigentlich? Was bedeutet Revolution heute?

Revolutionen waren seit jeher ein Bestandteil der Menschheitsgeschichte – aber gibt es sie auch heute noch?  |
Revolutionen waren seit jeher ein Bestandteil der Menschheitsgeschichte – aber gibt es sie auch heute noch? | Quelle: http://www.colourbox.de

Die Bauernaufstände im 14. Jahrhundert, die Glourious Revolution Englands von 1688, der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg am Ende des 18. Jahrhunderts, die Französische Revolution von 1789, die Haitianische Revolution von 1791, die Oktoberrevolution in Russland von 1917, die Novemberrevolution von 1918, die Islamische Revolution im Iran von 1979… Revolutionen sind ein fester Bestandteil der Menschheitsgeschichte.

Und heute, im 21. Jahrhundert? Gibt es noch Revolutionen? Klar. Aber vielleicht anders als früher. Revolutionär war etwa das Gesicht des Arabischen Frühlings, als Menschen in vielen Ländern der arabischen Welt aufstanden und gegen ihre autoritären Führungen und massive Verletzungen der Menschenrechte protestierten. Ob sie gescheitert sind oder wichtige Prozesse ausgelöst haben, da scheiden sich die Meinungen.

Eine andere Revolution findet im Internet statt. Auch hier gibt es Aufstand, Protest, Benennung von Missständen. Shitstorms. Das Netz als Ort der Revolution auch für die, die nicht auf die Straße gehen, aufwendig Transparente malen, gegen massive Kräfte eines Wasserwerfers Widerstand leisten oder in die Konfrontation mit der Polizei gehen wollen.

Meinung, Wissen, Unmut, Ängste – im Web lässt sich alles ins Windeseile verbreiten. Allerdings auch ungefiltert, extremistisch, fundamental. Da ist kritisches Denken gefordert. Aber darum geht es ja schließlich bei Revolutionen: Kritisch sein. Dazu muss man auch mal raus aus der eigenen Blase und die Dinge aus anderen Perspektiven betrachten. Abwägen, mit sich und der eigenen Meinung hadern, um dann gestärkt die eigenen Forderungen an die vorherrschenden Verhältnisse formulieren und stellen zu können.

Revolution sind heute oft kleinteilig. Subtil. Informell. Gewaltfrei kämpfende Initiativen, Interessensgemeinschaften. Egal ob auf der Straße oder im Netz – es gibt immer Menschen, die Tendenzen in ein Ungleichgewicht erkennen und oft in der Lage sind, für öffentliche Proteste Mitstreiter und Mitstreiterinnen zu finden. Dazu braucht es Zivilcourage. Einen Blick für die Gesellschaft. Für Rechtsstaatlichkeit. Damit ist man gewappnet, auch gegen Rechtsextremismus.

Aber was ist mit dieser rechten Flanke, die besonders im Netz aktiv ist? Die mit starken Parolen Sozialdarwinismus und Menschen verachtendes Gedankengut verbreitet? Nach politikwissenschaftlichen Definitionen gilt dieses Tun nicht als Revolution. Aus nichtwissenschaftlicher Perspektive ist es das vielleicht aber doch. Auch wenn diese Revolution rückwärtsgewandt ist, weil sie das bisher Erreichte – Antirassismus, sexuelle Freiheit, Gleichberechtigung, Inklusion – wieder abschaffen möchte.

Sich an Revolutionen zu erinnern bedeutet auch die Einsicht, dass man immer wieder neu kämpfen muss, für Freiheit, für Anerkennung, für Selbstbestimmung: Revolution jetzt!

Weiterlesen:

Kein Opium, nirgends: von Religion und Revolution

Weitere Veranstaltungen in der Reihe:

Der Sozialismus – eine jüdische Idee? Zum 200.Geburtstag von Karl Marx (Tagung im Taunus)

Wege aus der globalen Krise: Thomas Gebauer und Ilja Trojanow im Gespräch

Frauenwahlrecht, Revolution und Demokratie: Frankfurter Protagonistinnen


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Angela Wolf 38 Artikel

Angela Wolf ist Mitglied der Redaktion von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse in Frankfurt am Main, arbeitet als freie Autorin und ist ehrenamtlich aktiv.

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