Politik & Welt

Besuch aus Ghana: Rippchen mit Kraut schmeckt besser als es aussieht

Sieben junge Menschen aus Ghana lernten bei einem Besuch Deutschland kennen und tauschten sich mit einheimischen Jugendlichen über die unterschiedlichen Kulturen und Lebensrealitäten aus. Ermöglicht wird der Austausch durch die seit über dreißig Jahren bestehende Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Presbyterianischen Kirche von Ghana.

Gemeinsam Kochen ist immer eine gute Idee, um andere Kulturen kennenzulernen. Das Rippchen mit Kraut kam bei den Ghanaerinnen ganz gut an. | Foto: Doris Stickler
Gemeinsam Kochen ist immer eine gute Idee, um andere Kulturen kennenzulernen. Das Rippchen mit Kraut kam bei den Ghanaerinnen ganz gut an. | Foto: Doris Stickler

Zwei gelbliche Häufchen, flankiert von einem Stück blassrosa Fleisch. Mit skeptischen Blicken beäugen Ugett, Deborah und Elsie beim Abendessen das Arrangement auf ihren Tellern. Optisch reißen Frankfurter Rippchen mit Sauerkraut und Kartoffelpüree nicht gerade vom Hocker. Doch auch wenn die ersten Gabeln noch zögerlich zum Mund wandern, lassen die Minen der jungen Frauen bald keinen Zweifel: Es schmeckt. Deborah wird sich später sogar einen Nachschlag holen.

Nicht nur kulinarisch lernten die Ghanaerinnen bei ihrem Besuch in Deutschland viel Neues kennen. Zwei Wochen lang waren sie mit vier weiteren Landsleuten in der Dankeskirchengemeinde im Frankfurter Stadtteil Goldstein zu Gast. In dieser Zeit absolvierte die Gruppe ein vielfältiges Programm. Ausflüge zur Wartburg nach Eisenach oder in die Opelwerke nach Rüsselsheim gehörten ebenso dazu wie Begegnungen mit Schulklassen oder Spiele- und Musikabende.

Angesichts der zahllosen Eindrücke weiß Milicent gar nicht mehr, wo sie anfangen soll zu erzählen. Sehr beeindruckt hätten sie etwa die Einblicke in die deutsche Nachkriegszeit und die Wiedervereinigung im Bonner Haus der Geschichte. Auch vom Bibelhaus Erlebnismuseum sei sie begeistert, dort habe sie an einem Mühlstein wie seinerzeit Abrahams Gattin Sarah Korn zermalmt.

Die 23-jährige Krankenschwester strahlt zwar übers ganze Gesicht, wenn sie die Erlebnisse ihrer ersten Auslandsreise resümiert: „Alle Leute haben uns freundlich empfangen, die Gastfamilie ist total nett, überall wachsen Blumen, ist alles sauber und ordentlich.“ Ihrer Heimat würde sie deswegen aber nicht den Rücken kehren wollen. „Das Leben in Ghana ist entspannter.“

Zu diesem Urteil kommt auch Tabea Frank. Sie hat den westafrikanischen Staat im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hessen-nassauischen Kirche (EKHN) und der Presbyterian Church of Ghana (PCG) bereits zwei Mal besucht und ist „völlig fasziniert“. Es gebe nicht immer Wasser und Strom, doch „die Gastfreundschaft der Menschen ist phänomenal“. Als sie einmal unterwegs nach einer Toilette suchte, hätten ihr wildfremde Leute die in ihrem eigenen Haus angeboten.

„Ghana ist eine völlig andere Welt und mit der unsrigen nicht zu vergleichen“, steht für die Studentin der Sonderschulpädagogik fest. Die Menschen seien durchweg herzlich und hilfsbereit und gingen auch mit Dingen sehr wertschätzend um. Dass kaum etwas weggeworfen werde –„Gebratener Fisch wird in ausgemusterten Airbags transportiert“ – erinnere sie an die „Lebensweise, wie sie meine Großeltern aus ihrer Kindheit beschreiben“. In dieser Hinsicht registrierte sie nur einen Unterschied: „Smartphones sind allgegenwärtig.“

Weil die in Ghana gesammelten Erfahrungen ihr „Denken nachhaltig verändert“ haben, schätzt Tabea Frank umso mehr, dass die EKHN anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Partnerschaft“ im vergangenen Jahr den Jugendaustausch ins Leben rief. Nachdem sie 2018 mit fünf anderen jungen Erwachsenen aus der Dankeskirchengemeinde das Land bereiste, kam nach der Rückkehr in der Gruppe die Idee zur Gegeneinladung auf. „Den Besuch der vier Ghanaerinnen und drei Ghanaer haben wir relativ eigenverantwortlich organisiert“, berichtet die 22-Jährige stolz. Dank der finanziellen Zuschüsse von Stadtdekanat und EKHN sei es möglich gewesen, all diese Aktivitäten auf die Beine zu stellen.

Darunter auch den Kochabend mit Frankfurter Spezialitäten. Beim Abendessen im Gemeindesaal waren auch alle Gasteltern, die im Partnerschaftsausschuss engagierten sowie aus Afrika stammenden Gemeindemitglieder zugegen. Eine große und bunte Runde, in der viel geredet, gelacht und gesungen wurde.

Mit ausgelassener Geselligkeit ist Pfarrer Thomas Walter vertraut. Neben den Gemeinden in Bornheim und Seckbach ist die Dankeskirchengemeinde in der Partnerschaft mit der Presbyterian Church besonders aktiv. Abgesehen von der Ausschussarbeit feiere man einmal im Jahr einen Ghana-Sonntag, spende die Erlöse aus dem „Adamsbasar“ oder der „Brotbackaktionen mit Konfis“ der PCG, erzählt der Pfarrer. Gegenwärtig sammele man außerdem für ein Brunnenprojekt.

„Wir blicken in der Gemeinde viel über den eigenen Tellerrand und lernen dabei nicht nur die Nöte der Anderen, sondern auch ihre Formen der Frömmigkeit kennen“, umreißt der Theologe die „für beide Seiten gewinnbringende“ Partnerschaft. Bei seinem Ghanabesuch vor einigen Jahren machte er ein weiteres Lernfeld aus. Das „unglaubliche Improvisationstalent und der nachhaltige Lebensstil“ könne man sich nur zum Vorbild nehmen.


Autorin

Doris Stickler 46 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Lebhafte Diskussionen sind interessant, können aber manchmal die Gemüter erhitzen. Bitte achten Sie auf einen angenehmen Umgangston und vermeiden Sie verbale Angriffe auf andere Kommentatoren. Die Redaktion behält sich vor, unangebrachte Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.