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Vor allem die Ärmsten brauchen schnelle Hilfe

Die Corona-Pandemie verschärft globale Ungerechtigkeiten. Deshalb ist internationale Solidarität jetzt wichtiger denn je.

Die Pandemie ist global, aber nicht alle sind gleichermaßen gefährdet. | Foto: Kyle Glenn
Die Pandemie ist global, aber nicht alle sind gleichermaßen gefährdet. | Foto: Kyle Glenn Bild: http://www.unsplash.com

Deutschland ist ein Corona-Paradies. Ein echter Lockdown war hier noch nicht nötig, die Kontaktbeschränkungen sind moderat, Krankenhäuser waren bisher zu keinem Zeitpunkt über ihren Kapazitätsgrenzen. Sicher, viele Betriebe haben große Probleme, vor allem Einzelunternehmerinnen und Freiberufler. Manche Branchen wie Gastronomie, Tourismus oder Schausteller hat es sogar existenzbedrohend hart getroffen. Doch es gibt finanzielle Hilfen, es gibt Hartz IV, es gibt Kurzarbeit, kurz: Es gibt ein soziales Netz, auch wenn vieles dabei nicht optimal läuft.

Leider ist das nicht überall so. Hartz IV ist schlimm, aber es ist besser als nichts, und für viele Menschen rund um den Globus ist momentan leider dieses „Nichts“ die Realität. In der Krise zeigt sich, dass soziale Absicherung existenziell wichtig ist, nicht nur für diejenigen, die selbst darauf angewiesen sind, sondern für alle. Denn ohne soziales Netz ist in einer gefährlichen Ausnahmesituation kein koordiniertes, gemeinsames Vorgehen möglich.

In Deutschland sind jetzt viele stolz darauf, dass „wir“ so konsequent und diszipliniert reagiert und die notwendigen Maßnahmen umgesetzt haben. Und ja: Dieser Umsicht ist es zu verdanken, dass die Corona-Krise bislang milde verlaufen ist. Es ist definitiv ein Grund, sich zu freuen. Aber Überheblichkeit ist nicht angebracht. Denn anderswo haben viele Menschen gar nicht die Möglichkeit, zum Beispiel Kontaktsperren konsequent einzuhalten. Wenn die Alternative das buchstäbliche Elend ist, tritt eine Virusbedrohung in den Hintergrund. Niemand bleibt geduldig zuhause, wenn die eigenen Kinder deswegen hungern.

Vor dem Virus sind nicht alle gleich. Von Indien bis in die USA stehen Länder ohne soziales Sicherheitsnetz vor dem Dilemma, dass sie entweder Lockdown-Maßnahmen verhängen, durch die jedoch viele Menschen in absolute Armut fallen und buchstäblich nichts mehr zu essen haben. Oder sie verzichten darauf, dann breitet sich das Virus epidemisch aus, und das trifft ebenfalls die Armen mit besonderer Wucht. Auch auf Druck der reicheren Staaten wurde rund um die Welt an der Gesundheitsversorgung gespart, das rächt sich nun bitterlich. Und oft sind es gerade die Einkommensquellen der unteren Schichten, die jetzt in der Krise wegfallen. Die Tourismusbranche war trotz allem eine wichtige Einnahmequelle für viele Menschen vor Ort. Kleingastronomie, körpernahe Dienstleistungen – alles futsch.

Jede Anstrengung, der Corona-Pandemie zu begegnen, muss deshalb vor allem die mittellose Bevölkerung im Blick haben. Einen entsprechenden Hilfsfonds hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau für ihre ökumenischen Partner eingerichtet und mit 380.000 Euro ausgestattet. Eine indische Partnerkirche kann dadurch jetzt 1.200 Familien mit Grundnahrungsmitteln versorgen und 500 warme Essen am Tag verteilen.

Spendenkonto: DE27 5206 0410 0004 1000 00, Stichwort Corona-Hilfe Ökumene.


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Antje Schrupp 137 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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