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Yves Versprechen: Kein Weg zurück?

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Von Kamerun nach Spanien – und dann? Ein Dokumentarfilm zeichnet den Weg eines Migranten nach. Ende Januar läuft er in den Kinos an, Premiere ist am Freitag, 18. Januar, um 19 Uhr in der Evangelischen Akademie am Römerberg. Mit der Regisseurin Melanie Gärtner sprach Elisa Rheinheimer-Chabbi.

Foto: Pola-Sell.
Foto: Pola-Sell.

EFO-Magazin: Frau Gärtner, für den Film »Yves Versprechen« haben Sie über Monate hinweg einen jungen Mann aus Zentralafrika begleitet. Hat man solch eine Geschichte nicht schon oft gesehen? Was macht Ihren Film so besonders?

Melanie Gärtner: Mein Ansatz ist es, eine wenig beachtete Facette von Migration darzustellen: Die Angst von Migranten, mit leeren Händen in ihr Heimatland zurückzukehren, die Schande und soziale Schmach, die das mit sich bringt. Und mein Film begleitet die daheimgebliebene Familie von Yves, schaut hin, was sein Fortgehen sozusagen backstage bedeutet. Denn die Familien in den Heimatländern bilden den erweiterten Rahmen von Migration.

Wie haben Sie Ihren Protagonisten Yves denn kennengelernt?

Das erste Mal sind wir uns 2010 im Rahmen eines anderen Filmprojekts begegnet, da war er gerade in der spanischen Exklave Ceuta angekommen. Jahre später schrieb er mir, dass er nach einer Abschiebung aus Spanien wieder in Marokko sei, um erneut zu versuchen, nach Europa zu gelangen. Und ich fragte mich: »Warum nur tut er sich das ein zweites Mal an?« Das war der Ausgangspunkt zum Film.

Sie haben Videobotschaften von Yves aufgenommen und sind damit zu seiner Familie nach Kamerun gereist. Wie wurden Sie dort empfangen, was haben Sie erlebt?

Ich wurde sehr, sehr herzlich empfangen. Zunächst kam ich ohne Kamerateam; ich habe bei Yves älterer Schwester Annie gelebt, habe mit ihren Kindern in einem Bett geschlafen und den alten, kranken Vater auf dem Dorf besucht. Gleichzeitig war ich auch in der Rolle einer Botschafterin: Ich habe der Familie Nachrichten von Yves überbracht und ihre an ihn weitergegeben. Was mich zunächst schockiert hat: Wenn sie mit mir über Yves gesprochen haben, war das sehr liebevoll. Aber in ihren Botschaften an ihn haben sie einen enormen Druck aufgebaut und ihre Erwartungen ganz klar artikuliert.

Europa gilt ihnen immer noch als „gelobtes Land“?

Ganz klar, ja. Das Bild von Europa als Kontinent, wo das Leben besser und einfacher ist, wo man es zu etwas bringen kann, scheint so übermächtig zu sein, dass kaum etwas dagegen ankommt. Zwar ist inzwischen bekannt, dass es nicht immer leicht ist, dass man sich durchschlagen muss, aber immerhin gibt es ja Afrikaner, die eine Arbeit finden – und sei es als Putzkraft oder auf dem Bau – und die dann Geld nach Hause schicken, um die Ausbildung der Geschwister zu finanzieren oder die Hochzeit der Schwester. Dann fragen die Angehörigen schnell: „Warum schaffen andere das – nur du nicht?“

Da scheinen universelle Themen wie Hoffnung, Verantwortung und Scheitern durch...

Und die Bedeutung der Familie! Sie ist eine Brücke für das Verständnis einer anderen Kultur. Denn auch wenn die Lebensumstände in Kamerun völlig anders sind als die der deutschen Kinobesucher, glaube ich, dass es Verbindendes gibt. Die Ambivalenz der Gefühle innerhalb der Familie können die Zuschauer sicherlich nachvollziehen - und am Ende des Films vielleicht begreifen, warum es für Yves kein Zurück gibt.

Am Samstag, 19. Januar 2019, wird der Film um 14 Uhr im Mal Seh´n Kino, Adlerflychtstraße 6, Nordend, gezeigt. Im Anschluss an diese Vorführung gibt es ein Filmgespräch mit Melanie Gärtner und Ramona Lenz von medico international. Weitere Filmvorführungen und Gespräche mit der Regisseurin unter www.yves-versprechen.de. Kontakt für Schulen: Telefon 069 805 322 73

Interview: Elisa Rheinheimer-Chabbi


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