CSD: Gott steht für Liebe und die evangelische Kirche inmitten der Demo
Einstimmung gegen 11 Uhr auf dem Römerberg: Vor der Alten Nikolaikirche trifft sich die Evangelische Jugend, schnell noch ein wenig Glitzer auf die Wange, ein Vertreter aus Offenbach hat ein paar farbige Hüte in petto. Mitarbeitende der Inneren Mission tauchen auf, der Diakonie, des Stadtdekanats – ein breites evangelisches Bündnis aus Frankfurt und Offenbach und darüber hinaus aus ganz Hessen macht mit, wenn es heißt, mit dabei zu sein bei der Demonstration zum „Christopher Street Day 2026“ in der Frankfurter Innenstadt.
Unweit des Karmeliterklosters reiht sich der Evangelische Wagen, die Nummer 46, zum Start ein. Pfarrer Thomas Reitz von der Evangelischen Dreikönigsgemeinde steht am Straßenrand. Statt weißer Schnürsenkel, trägt er heute regenbogenbunte in den weißen Sneakern. Gestern Abend gehörte er beim CSD-Gottesdienst in der Lutherkirche zum Predigtteam. Spontan hat er sich entschlossen, heute auch dabei zu sein, wie rund 350 Leute, die sich um den evangelischen Truck gruppieren. Manche tanzen auf dem Fahrzeug zu dem DJ-Sound. Andere halten die viele Meter lange und viele Meter breite Regenbogenfahne, zum Beispiel der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach, Holger Kamlah.
Am Rande Gespräche mit Markus Eisele, Theologischer Geschäftsführer der Diakonie Frankfurt und Offenbach, ein herzliches „Hallo“, als Clarissa Graz, Vorständin der Inneren Mission auftaucht. Um ihren Hals baumelt ein Schild „Staff“, sie hält unterwegs mit vielen anderen das Absperrband, das Unfälle verhindern soll, aber nicht verhindert, dass es zu vielen herzlichen Begegnungen am Trottoir kommt.
Selbst das Mädchen, das die Frage stellt nach einem Gott, der angeblich Schwule hasst, dabei sind sie doch „cute“, fängt an zu lächeln, wendet sich gut gelaunt dem Truck zu, der das Frankfurter CSD-Motto „Demokratie braucht keine Alternative“ und das evangelische Motto „Glaube.Liebe.Laut.“ abbildet – funkelnd und in Regenbogenfarben.
Gott ist ein Gott, der liebt, der nicht danach schaut, wen die Menschen lieben, welches Geschlecht in Formularen steht. Nulf Schade-James aus der Kirchengemeinde Frieden und Versöhnung im Gallus, heute im Glitzertalar mit funkelnder Stola, wird von vielen angesprochen, einzelne wollen ein Selfie – er steht wie auch die anderen für eine Kirche, die nicht nur heute, sondern an allen Tagen, mit grauer Vorzeit gebrochen hat und alles tun will, das Ressentiments in Gesellschaft und Kirche keinen Raum gewinnen können.
Weitere Informationen und Statements zu dem evangelischen Engagement für den CSD: hier