Leben & Alltag

Melanchthonplatz Oberrad: Wenn Kirche und Nachbarschaft ein Platz nicht egal ist

Waffeln haben während der Sommerferien Gespräche auf dem Melanchthonplatz versüßt. Die Evangelische Erlösergemeinde hat viele Ideen für Zusammenarbeit im Stadtteil und macht gerne mit bei Initiativen vor Ort.

Während der Sommerferien wurde der Melanchthonplatz einmal in der Woche zum Kaffeegarten. I Foto Anne-Katrin Helms
Während der Sommerferien wurde der Melanchthonplatz einmal in der Woche zum Kaffeegarten. I Foto Anne-Katrin Helms

„Es ist eigentlich ganz schön, wenn die Kirche am Sonntag noch nach Puderzucker riecht“, sagt Anne-Katrin Helms, Pfarrerin der Evangelischen Erlösergemeinde, Oberrad. Während der Sommerferien wurden vor der Tür, auf dem städtischen Melanchthonplatz, jeden Dienstag Waffeln angeboten. „Gerechnet haben wir mit 15 Leuten, gekommen sind um die 60“, erzählt die Pfarrerin, sechs Wochen lang, jeden Dienstag.

Gebacken wurde in der Kirche, allein schon wegen der Steckdosen. Gegessen auf Wunsch der Gäste draußen. „Die wollten lieber unter den schattigen Bäumen sitzen.“ Stühle, Tische wurden platziert, ein neues Ikea-Steingutgeschirr angeschafft. „Wir machen das mit Vasen und Blümchen“, war der Ansatz – offensichtlich hat es gezogen. Ein paar Stehtische wurden auch platziert. „Manche sind scheuer, wollen erstmal schauen.“

Experimente gehören zum Programm

Helms probiert auf vielerlei Weise gerne aus: Mehrfach schon gab es im Rahmen eines Gottesdienstes einen Abstecher zum nahe gelegenen Waldfriedhof Oberrad. Für Menschen mit eingeschränktem Gehen waren Transportmöglichkeiten organisiert. Einen Kneipengottesdienst hat die 56 Jahre alte Pfarrerin auf dem Schirm. Erste Gespräche mit einem Oberräder Gastronom gab es schon. „Auf jeden Fall muss die Musik gut sein“, findet Helms. Im Herbst will sie das Thema näher angehen. Stichwort „Gastronomie“: „Auf Tisch- und Tuchfühlung“ ist ein Arbeitstitel, der der Theologin, die im HR-Andachten spricht und am Ewigkeitssonntag einen ZDF-Gottesdienst übernimmt, durch den Kopf geht. Mit einer Einzelperson das Gespräch in einem Lokal suchen, verbirgt sich unter dem Motto. Stiftungsmittel, die der Gemeinde zustehen, könnten solch ein Essensdate möglich machen.

Viele Einzelgespräche haben sich während der Waffelwochen ergeben, auch seelsorgliche, etwa mit der Seniorin, die sich sorgt, wie es mit ihrem behinderten Sohn weitergehen soll. Eine andere ältere Frau saß nahezu jeden Tag mit einem Buch auf dem Melanchthonplatz – der einzige Weg nach außen, nach dem Tod ihres Mannes. Sie hat sich schließlich dazu gesetzt und ist ins Reden gekommen.

Helms hat gefreut, dass die Anwesenden nicht nur mit ihr, sondern auch untereinander ins Gespräch gekommen sind. Vier Frauen, die sich auf dem Melanchthonplatz erstmals unterhielten, gehen kommende Woche zusammen in die Kantine der katholischen Hochschule Sankt Georgen zum Mittagessen. Allein hätten sie sich nicht getraut.

Seite an Seite mit dem Kirchenvorstand

Schon länger gibt es unter den Anrainer:innen des Oberräder Nonnenpfads eine Gruppe, die den angrenzenden Melanchthonplatz beleben will. Eine Architektin hat Konzepte entwickelt, die Gemeinde ist angesprochen worden, dazu zu stoßen, als eine Beteiligte unter vielen. Helms gefällt das. Mitglieder der Initiative seien zum Waffelessen vorbeigekommen, berichtet die Pfarrerin, hätten sich umgeschaut, wo lassen sich Sitzgelegenheiten platzieren. Erfreut sei wahrgenommen worden, dass dank der Belebung der Hundedreck weniger wurde. Ein Platz wird wahrgenommen – als Gemeinschaftsraum.

Der Kontakt zum Umfeld ist auch der Kirchenvorstandsvorsitzenden der Erlösergemeinde, Angela Franz, ein Anliegen. Die Gemeinde hatte sich vor zwei Jahren für die Einrichtung eines Quartiersmanagements eingesetzt, daraus ist nichts geworden. Aber man bleibe dran, mitzuwirken, dass sich Lebenssituationen im Umfeld verbessern. „Wir sind mit dem Ortsbeirat im Gespräch“, erzählt Franz. Zum Beispiel wolle man Räume zur Verfügung stellen, für Kurse, wie „Mama lernt Deutsch“ oder für Hilfsangebote – etwa beim Ausfüllen von Formularen. Franz teilt das Engagement der Pfarrerin, ihr geht es darum, „dass wir als Kirche für den Stadtteil da sind“. Und dass Kirche als „zugänglich“ erlebt wird.


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Bettina Behler 425 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach