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Frieden schaffen - mit Leuten, die nach Gottes Geschmack sind

Zum Frieden braucht es alle. Denn er ist nur möglich, wenn keiner die anderen rücksichtslos zur Seite drückt, sondern alle Freude an der Gemeinschaft haben.

Weihnachtsbaum Manni bei seiner Ankunft auf dem Frankfurter Römerberg. | Foto: Boris Rössler/Picture Alliance
Weihnachtsbaum Manni bei seiner Ankunft auf dem Frankfurter Römerberg. | Foto: Boris Rössler/Picture Alliance

Ein bisschen mickrig sei er ja schon, unken die Ersten beim Anblick des siebzigjährigen Manni aus dem Spessart. Immerhin nicht gar so zerzaust wie seine Vorgänger Gretl und Bertl, aber eben nur 26 Meter! Der Christbaum auf dem Römer gibt in jedem Jahr eine Zielscheibe ab für Spott, Kritik oder Bewunderung. Na gut, dieses Jahr wird auf den Weihnachtsmärkten in Frankfurt und Offenbach an Beleuchtung gespart, es geht etwas bescheidener zu. Sparen müssen wir alle, die einen aus Solidarität, die anderen weil das Geld für warme Zimmer und frische Lebensmittel schlicht nicht da ist. Sogar in der Kirche bleibt der Mantel an. Angesichts derer, die durch den russischen Angriffskrieg ihr Zuhause verloren haben, traut man sich kaum, über die frischen Temperaturen zu klagen. Für alle in Europa wird dies ein Weihnachtsfest in gedämpfter Freude. O du fröhliche! Jauchzet, ihr Himmel! Wie viel Glühwein muss man trinken, um an Heiligabend Jubellieder anzustimmen, während zweitausend Kilometer weiter die Bomben einschlagen?

Es wird ein dunkleres Fest als viele zuvor und dies liegt nicht nur am Strompreis. Ich finde, dies passt ganz gut zu Weihnachten, das sich ja damals in Bethlehem im Dunkel der Nacht ereignet hat. Als die Hirten erfahren haben, dass in der Nähe ein Kind geboren ist, das es mit der Finsternis aufnehmen wird. Um den Chor der Engel strahlte es und klang: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!

Ja, Friede auf Erden, das steht bei vielen Menschen in diesem Jahr ganz oben auf dem Wunschzettel. Ein Wunsch, der so bescheiden daherkommt und doch so groß ist und umfassend. Denn Friede bedeutet Sicherheit und Wohlstand und Regeln, auf die man sich verlassen kann. An diesem Frieden bauen alle mit: Die Menschen seines Wohlgefallens. Will sagen: Leute, die nach Gottes Geschmack sind. Ich stelle mir hier die Gutwilligen vor, an welchen Gott sie nun glauben oder nicht glauben. Zum Frieden braucht es nämlich alle. Denn darum geht es ja bei Frieden: Dass sich keiner vordrängelt und andere rücksichtslos zur Seite drückt, sondern dass man andere von gleich zu gleich zu behandelt. Die Menschen, die Gott wohl gefallen, interessieren sich für Leute, die anders sind und haben Freude an der Gemeinschaft. Sie nehmen sich selbst nicht so schrecklich ernst und freuen sich, wenn es allen gut geht. Mit solchen Leuten kann Friede werden.

Zu solchen Menschen kamen auch die Engel auf den Feldern zu Bethlehem und bei solchen endete dieser denkwürdige Abend: an der Krippe. Bei einfachen Leuten und einem Kind, in dem ein Gott Mensch wurde, der es gern schlicht hat. Dieser Gott braucht kein großes Tamtam. Er schüchtert nicht ein und hat es nicht nötig zu beeindrucken. Er hat keine Angst im Dunkeln und fürchtet sich nicht vor Mangel, Armut und Kälte. Er sucht Menschen, mit denen Friede möglich ist. Wie schön das Weihnachtsfest wird, liegt nicht an der Höhe des Christbaums oder der Lux-Zahl der Beleuchtung.

Es sind die Menschen, die miteinander feiern, es ist die Hoffnung auf Frieden, die es hell macht. Ehre sei Gott in der Höhe!


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Autorin

Pfarrerin Amina Bruch-Cincar ist Prodekanin des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach. Nähere Informationen zu ihrer Person finden Sie hier. Sie ist für den Dekanatsbereich Süd-Ost zuständig, zudem koordiniert sie die Arbeitsbereiche Kirchenmusik und Altenseelsorge.

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