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Kinder und Jugendliche suchen gerade jetzt offene Türen und Ohren

Online begrüßte Stadtdekan Achim Knecht am ersten Advent die Gäste zum diesjährigen Neujahrsempfang. Angesichts der Pandemie wurde die Veranstaltung ins Netz verlegt. Musik, Lichterglanz gab es wie immer, dazu eine Talkrunde, moderiert von Bärbel Schäfer. Die beiden Jugendlichen Lucretia Costa und Zabiullah Sakha sprachen unter anderem mit Sozialdezernentin Elke Voitl und der Geschäftsführerin des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit Miriam Walter darüber, was sie in Corona-Zeiten erlebt haben und wie es weiter gehen soll.

Talkrunde: v.li. Johannes Löschner, Miriam Walter, Evangelischer Verein für Jugendsozialarbeit, Moderatorin Bärbel Schäfer, Lucretia Costa, Zabiullah Sakha  I Foto: Rolf Oeser
Talkrunde: v.li. Johannes Löschner, Miriam Walter, Evangelischer Verein für Jugendsozialarbeit, Moderatorin Bärbel Schäfer, Lucretia Costa, Zabiullah Sakha I Foto: Rolf Oeser

In allen Farben leuchtete heute beim Neujahrsempfang der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach der Innenraum der Heiliggeistkirche – wie in allen anderen Jahren. Auch das traditionelle „Macht hoch die Tür“ fehlte nicht zum Abschluss der Festivität zum Auftakt des neuen Kirchenjahrs – doch das Ereignis kam dieses Mal übers Netz in die Haushalte. Vor zehn Tagen fiel die Entscheidung, das Stelldichein von Stadtgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kirche angesichts der steigenden Inzidenzen und der Überbelegung der Krankenhäuser abzusagen, aber nicht das Thema „Closed Doors. Closed dreams“ des Neujahrsempfangs – bezogen auf die Situation von Kindern und Jugendlichen in Pandemie-Zeiten. „Nicht umsonst hat Jesus Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt gestellt“, so der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach Achim Knecht in seiner Begrüßung.

Lucretia Costa und Zabiullah Sakha, zwei junge Erwachsene, die über das Projekt „Viadukt“ des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit extern ihren Realschulabschluss erlangt haben (mehr Informationen) , saßen in einer von der Autorin, TV- und Radiomoderatorin Bärbel Schäfer moderierten Talkrunde. Sie sei von Sozialen Medien regelrecht abhängig geworden in dieser Zeit, erzählte Costa. Ihre jüngere Schwester, 15, sei zwar gut in der Schule geblieben, aber bedrückt, so die junge Frau. Nicht nur der Frankfurter Alltag habe ihm aufs Gemüt geschlagen, sondern auch die Sorge um seine Angehörigen in Afghanistan, berichtete Zabiullah Sakha.

Sie sei zielorientiert, äußerte Costa, aber was ist mit den anderen? Auch Sakha geht seinen Weg, macht eine Ausbildung, aber doch verläuft in Corona-Zeiten beider Jugend so ganz anders als gedacht. An Begegnungen fehlt es an allen Ecken. Nicht so sehr der Schulstoff sei das Thema, als vielmehr das soziale Miteinander, äußerte auch Frankfurts Sozialdezernentin Elke Voitl in der Runde. Den Standpunkt, Heranwachsende sehnten sich danach, „zu zehnt auf der Parkbank“ zu sitzen, vertrat die Grünen-Politikerin. Die Einrichtungen für Kinder und Jugendlichen müssten offenbleiben, so ihr Ansatz. „Wir haben gute Hygienekonzepte.“. Eine Beobachtung ihres Dezernats, die Elke Voitl begrüßt, ist, dass Familien, in denen es kriselt, aktuell verstärkt nach Hilfen suchten.

Klicken Sie auf das Bild, um das Video über den Neujahrsempfang zu sehen.

Miriam Walter, Geschäftsführerin des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit, sieht gleichfalls, dass es Kindern und Jugendlichen derzeit vor allem an Beziehungen mangele, soziales Lernen, Umgangsformen, was sonst untereinander geübt werde, falle aus oder finde unter erschwerten Bedingungen statt – und mit zu wenig Bezug zu Altersgenoss:innen. Als Beispiel nannte sie Sechs- bis Zehnjährige, in der Zeit „ist die Entwicklung gewaltig“. Fast zwei Jahre sind seit dem Ausbruch von Corona vergangen.

„Wir waren nicht auf Corona vorbereitet“, jetzt müsse aus den Erfahrungen gelernt werden, sagte die Geschäftsführerin des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit. Miriam Zeleke, Beauftragte für Kinder- und Jugendrechte der Hessischen Landesregierung äußerte in der Talkrunde, jetzt gehe es darum, auf junge Leute „als Expert:innen ihrer Lebenswelt zuzugehen“, sie partnerschaftlich einzubeziehen.

Sondertöpfe und Mittel, Zusatzkräfte einzustellen, gebe es durchaus, berichtete Johannes Löschner, zuständig für den Arbeitsbereich Offene Kinder- und Jugendarbeit im Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit, es fehle jedoch an Personal. Dabei spürt auch er, wie die Sorgen die Kinder und Jugendlichen, die die Häuser des Vereins aufsuchen oder zu ihnen Kontakt halten, drücken.

„Macht hoch die Tür“ gespielt von Frank Hoffman am Flügel, gesungen von Erika Becker, sei nicht nur eine Liedzeile, sondern auch die zentrale Botschaft – mit Jesu Geburt habe Gott eine Tür aufgemacht, bekundete Stadtdekan Knecht in seiner Schlussansprache. Gott habe die Tore geöffnet, um Beziehungen zu ermöglichen: zu Gott und zu den Mitmenschen – nicht zuletzt, damit die Menschen sich darin als „liebenswürdig“ erfahren. Sich innerlich nicht zu verschließen und – „lassen Sie sich impfen“ appellierte der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach Achim Knecht bei dem digitalen Neujahrsempfang. Mit einem Segen und dem Wunsch „bleiben Sie behütet“ schloss er vor dem Abspann die Veranstaltung.


Autorin

Bettina Behler 187 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach