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Kirchen sind kein Wohnzimmer - Ein Kommentar

Die Kirchen in Frankfurt und Offenbach sollen im Winter nicht geheizt werden, hat die Stadtsynode am 15. September beschlossen.

Foto: Colourbox
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Die evangelischen Kirchen in Frankfurt und Offenbach bleiben im Winter kalt. Etwa dreiviertel der Delegierten der Stadtsynode haben dafür votiert. (Lesen Sie dazu den Bericht unter www.efo-magazin.de/aktuelles).

Eine richtige Entscheidung, finde ich. Wenn wir in Folge unserer Solidarität mit der Ukraine nun mit enormen Preissteigerungen und Verknappung von Energie zu kämpfen haben, ist es, wie Stadtdekan Achim Knecht vor der Stadtsynode sagte, auch „eine Frage unserer Glaubwürdigkeit als Kirche, dass wir in dieser Situation alles tun, um Heiz­energie so weit wie möglich zu sparen, aus Solidarität mit denen, die dringender darauf angewiesen sind“. Und die Kirchen sind nun mal Energiefresser, mit denen wir, wie es Pfarrer Joachim Preiser aus Griesheim formulierte, schon seit vielen Jahren unseren „Beitrag“ zur Klimakatastrophe geleistet haben. Es geht also beim Beheizen der Kirchen nicht nur um Geld und Solidarität, sondern auch um die Bewahrung der Schöpfung, die wir uns als Kirche häufig und gern auf die Fahne schreiben.

Und man darf ja auch nicht vergessen, dass Kirchen überhaupt erst seit etwa 150 Jahren beheizt werden. Früher war Heizen völlig unüblich, denn Kirchen sind keine Wohnzimmer, sondern öffentliche Räume wie Marktplätze.

Eine mutige und verantwortungsvolle Entscheidung hat die Stadtsynode getroffen. Jetzt wird es in den Gemeinden darum gehen, Raumkonzepte und Veranstaltungsformate für die kalte Jahreszeit zu entwickeln. Die Gemeindehäuser dürfen ja auf 18 Grad geheizt werden. Ich bin mir sicher, dass die Kirchengemeinden in Frankfurt und Offenbach, wie in der Coronazeit, flugs innovative Ideen haben.


Verfasst von

Ralf Bräuer 39 Artikel

Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach" und der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach