Ethik & Werte

Auch die Kirche hat ein Rassismusproblem

Auch wenn es niemand will, sind auch in der Kirche rassistische Strukturen verankert. Antirassismus darf sich daher nicht auf Lippenbekenntnisse beschränken.

Monja Stolz  |  Foto: Tamara Jung-König
Monja Stolz | Foto: Tamara Jung-König

„Rassismus bei uns in der Gemeinde? Auf gar keinen Fall! Wir predigen Nächstenliebe, bei uns sind alle Menschen gleich!“ Einer solchen Haltung begegnet Sarah Vecera häufig, seit sie den Mut aufgebracht hat, über Rassismus in der Kirche zu sprechen. Vecera hat das wohlbemerkt erste Buch über das Thema geschrieben. In „Wie ist Jesus weiß geworden?“ berichtet sie von Diskriminierung, die ihr im Alltag als Theologin und Religionspädagogin begegnet.

Vecera ist nicht die einzige: Immer mehr Betroffene fordern, dass Rassismus in der Kirche ernst genommen wird. Sie meinen nicht Menschenfeindlichkeit im nationalsozialistischen Sinn, sondern ein strukturelles Phänomen: Von Strukturen sind alle betroffen, deshalb ist kein Ort frei von Rassismus – auch nicht die Kirche. Niemand unterstellt böse Absichten oder bewusstes Ausschließen von Menschen. Sondern es geht um unbewusste Denkmuster, die nicht-weißen Gemeindemitgliedern permanent das Gefühl geben, „anders“ zu sein. Zum Beispiel mit Fragen wie „Wo kommst du wirklich her?“, mit Darstellungen von einem weißen Jesus oder Kinderliedern, die zwar sagen, dass Gott alle Kinder liebt, aber gerade so die Unterschiede zwischen ihnen herausstellen. Wenn man täglich solchen „Mikroaggressionen“ ausgesetzt wird, hilft auch ein „Das war doch nicht böse gemeint“ nicht.

Hieran Kritik zu üben, ist nicht leicht. Das Wort „Rassismus“ wird von vielen sofort als Angriff wahrgenommen und löst Abwehr aus. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Täter-Opfer-Umkehr. Damit das nicht passiert, sollten Gemeinden aktiv werden, vielleicht an Workshops teilnehmen oder das Thema anderweitig ins Gespräch bringen. Wichtig ist, sich nicht unter Kritik zu winden und herauszureden, sondern Verantwortung zu übernehmen.

Es geht nicht darum, mit dem Finger auf Leute zu zeigen und moralische Überlegenheit zu suggerieren. Sondern darum, das Potenzial der Kirche auszuschöpfen und sie so zu gestalten, wie Gott sie sich vorgestellt hat: als einen Ort, an dem sich alle Menschen geliebt und angenommen fühlen.


Autorin

Monja Stolz 7 Artikel

Monja Stolz ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins.

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