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"Hier kommen Menschen zusammen, die nicht nur die eigenen Interessen im Blick zu haben"

In der Dreikönigsgemeinde in Sachsenhausen haben engagierte Gemeindemitglieder eine Zukunftswerkstatt organisiert. Dabei ging es um die Frage, welche Rolle die Kirchengemeinde zukünftig für den Stadtteil spielen soll, worauf es ankommt und woran konkret weitergearbeitet werden soll. Ein Interview mit Pfarrerin Silke Alves-Christe.

Engagierte Diskussionen bei der Zukunftswerkstatt in der Dreikönigsgemeinde. | Foto: Rolf Oeser
Engagierte Diskussionen bei der Zukunftswerkstatt in der Dreikönigsgemeinde. | Foto: Rolf Oeser

Bei einer Zukunftswerkstatt in der Dreikönigsgemeinde in Sachsenhausen haben engagierte Gemeindemitglieder kürzlich gemeinsam an Ideen für die Zukunft gearbeitet.

Frau Alves-Christe, worum ging es bei der Zukunftswerkstatt?

Es gibt zurzeit ja viele düstere Zukunftsprognosen für die Kirche. Eine Gruppe von Ehrenamtlichen in der Dreikönigsgemeinde hat das nun positiv aufgegriffen und Menschen zusammengebracht, die sehr engagiert versuchen wollen, in die Zukunft zu planen.

Was für eine Gruppe war das?

Das waren etwa acht bis zehn Leute, darunter einige Kirchenvorsteher, eine Gemeindesekretärin, und andere, die in der Gemeinde sehr aktiv sind. Diese Gruppe war voller Energie und hat das mit einem Moderator minutiös geplant. Wir Pfarrerinnen und Pfarrer waren an den Vorbereitungen kaum beteiligt.

Und wie war der Tag?

Das Konzept ist voll aufgegangen. Es kamen etwa fünfzig sehr unterschiedliche Personen, und es hat tatsächlich geklappt, alle miteinander ins Gespräch zu bringen. Es begann mit der Frage: „Woraus schöpfe ich Kraft für mein Leben?“ und ging dann ganz konkret darum, wie wir jetzt weiter verfahren wollen. Ich war sehr begeistert von diesem Tag.

Kann man Themen identifizieren, die herauskamen?

Der ganze große Gemeindesaal war zum Schluss geziert mit großen Plakaten, auf denen sehr viel zusammengefasst war. Das wurde erstmal abfotografiert und wird jetzt aufgearbeitet. Es schälten sich einige Themen heraus, an denen wir weiterarbeiten wollten, etwa Kommunikation und Musik, niedrigschwellige Begegnungen und Jugendarbeit. Wir haben auch einen Blick auf den Stadtteil geworfen, Sachsenhausen wird ja immer teurer, und dadurch mag sich auch die Bevölkerung verändern. Die Ergebnisauswertung steht uns aber noch bevor. Sie wird vermutlich nicht weniger anstrengend als die Vorbereitung.

Was war für Sie der wichtigste Punkt?

Die Erkenntnis, was für eine tolle Organisation oder Erfindung eine Kirchengemeinde doch eigentlich ist. Eine Gemeinde bringt sehr unterschiedliche Menschen zusammen und hat dann auch die Möglichkeit, bei Ideen dranzubleiben, sie umzusetzen. Es treffen sich Menschen, die andere und ihren Stadtteil im Blick haben, und die nicht nur sich selbst und ihre eigenen Interessen sehen. Das wahrzunehmen hat mir an dem Tag besonders gefallen.

Bringt so ein Tag nicht viele zusätzliche Erwartungen an Sie als Pfarrerin?

Wir haben in der sehr großen Dreikönigsgemeinde noch drei volle Pfarrstellen, aber es war nicht so, dass wir am Ende des Tages den Auftrag bekommen hätten: So, jetzt macht was draus. Es war von vornherein klar, dass alle Beteiligten auch die Umsetzung in die eigenen Hände nehmen müssen. Es werden sich jetzt wohl Arbeitsgruppen bilden, die weitere Pläne schmieden. Als Gesamtgemeinde müssen wir uns aber natürlich auch fragen, ob wir alles Bestehende weiterlaufen lassen können, wenn wir lauter neue Ideen umsetzen wollen. Das wird sicher nochmal ein Prozess, bei dem man realistisch vorgehen muss.

Wenn andere Gemeinden etwas Ähnliches machen möchten, was würden Sie raten?

Es muss auf jeden Fall einen Kern von Ehrenamtlichen geben, die das vorantreiben. Das war das Herzstück, eine Gruppe, die sehr freundschaftlich und positiv miteinander geplant hat. So einen Kreis gilt es zunächst mal zu finden, es geht nur über Menschen, die das miteinander wollen und sich gerne treffen und etwas zusammen planen.

Mehr lesen: Zukunftswerkstatt in der Dreikönigsgemeinde


Autorin

Antje Schrupp 117 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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