Gott & Glauben

Verklemmte Blicke auf die erste Apostelin

Maria Magdalena wird oft halbnackt und sexualisiert dargestellt, als Ehebrecherin und reuige Sünderin. Doch das ist ein Fake aus dem 6. Jahrhundert. In den Evangelien ist sie die erste Zeugin der Auferstehung.

Maria Magdalena auf einem Gemälde des italienischen Barockmalers Guido Cagnacci aus dem 17. Jahrhundert. | Foto: Fine Art Images - picture alliance
Maria Magdalena auf einem Gemälde des italienischen Barockmalers Guido Cagnacci aus dem 17. Jahrhundert. | Foto: Fine Art Images - picture alliance

Die große Sünderin in der Bibel? – Na klar, das ist Maria Magdalena! Die Prostituierte, die Jesus eine Flasche Luxusöl über die Füße gekippt hat! Stimmen munkeln gar, sie sei seine heimliche Geliebte gewesen. Der Bestsellerautor Dan Brown lässt in seinem Roman „Sakrileg“ durchblicken, dass die beiden ein gemeinsames Kind gehabt hätten. Das ist der Stoff, aus dem Boulevardgeschichten gemacht sind! Saftig und verklemmt zugleich. Und halt nicht wahr.

Was finden wir denn wirklich in der Bibel? Lassen wir Licht und Luft ins schwüle Dämmerstübchen der Magdalenenbilder!

Der Beiname „Magdalena“, der heute ein gängiger weiblicher Vorname ist, stellt sie als eine Bewohnerin des Ortes Magdala am See Genezareth vor. Im Lukasevangelium (Kapitel 8, Vers 2) taucht Maria aus Magdala erstmals in einer Aufzählung wohlhabender Frauen auf, die Jesus geheilt hatte. Sie folgen ihm anschließend und unterstützen ihn finanziell.

Von Maria selbst heißt es, Jesus habe sie von sieben Dämonen befreit. Gemeinsam mit einigen anderen bleibt sie bis zur Kreuzigung bei ihm, während die meisten anderen Jünger und Jüngerinnen aus Jerusalem fliehen. Maria und einige andere Frauen beobachten jedoch seine Beisetzung und kommen am Sonntagmorgen, um ihn zu salben und zu beweinen.

Aber daraus wird nichts. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“, herrscht sie ein Engel an der Grabstelle an. „Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Geht und sagt es den Jüngern!“ Das tut Maria, aber sie erntet wenig Glauben. Die Zeugenaussage einer Frau war in der Antike wenig wert.

Im Johannesevangelium tritt Maria von Magdala noch stärker als handelnde Apostelin in Erscheinung. Hier lesen wir, wie die Frau aus Magdala das leere Grab findet und den Leichnam sucht. Sie trifft den Gärtner und fragt ihn, ob er Jesus gesehen habe. Als dieser sie mit ihrem Namen anspricht, „Maria!“, erkennt sie ihren Irrtum: Es ist der Auferstandene selbst, mit dem sie redet!

Die Bibel schildert Maria Magdalena also als Geheilte, als Jüngerin im Kreis um Jesus und, ganz herausragend, als erste Zeugin der Auferstehung. Die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte nannten sie „Apostelin der Apostel“.

Aber woher kommt dann das Sünderinnen-Image? Lukas erzählt (Kapitel sieben, Verse 36-50), wie eine Frau mit offenen Haaren Jesus die Füße mit teurem Öl salbt. Der hebräische Ausdruck für „Füße“ bezeichnet auch Geschlechtsteile, und offene Haare trug damals keine anständige Frau. War sie also doch eine Sünderin, eine Prostituierte?

Aber: Lukas nennt in dieser Geschichte gar keinen Namen. Wer immer diese Frau war – Maria Magdalena war es nicht. Erst viel später, im 6. Jahrhundert, stellte Papst Gregor eine Verbindung zwischen den beiden Frauen her.


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Autorin

Amina Bruch-Cincar ist Pfarrerin in der Gustav-Adolf-Gemeinde in Offenbach und Kolumnistin des EFO-Magazin.

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